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Auf den Spuren der Römer

Die Auferstehung des Vinum Hadrianum

15. Dezember 2020
Werner Elflein

auf-den-spuren-der-roemer.jpgBild: Vinum Hadrianum
Hügellandschaft um Atri mit den Calanchi

Der Großvater war es einst, der Piero Pavones Faszination für die römische Geschichte weckte. In Pavones Heimatstadt, dem am Fuße der Abruzzen gelegenen Städtchen Atri, dem antiken Hadria, ist diese Geschichte bis heute allgegenwärtig und lebendig. Viele der Bauwerke in der historischen Innenstadt stehen auf den Ruinen des alten Roms.

Als jungen Mann zog es Piero Pavone zunächst weg von Atri, in die Großstadt. Doch zwanzig Jahre später kehrte er zurück zu seinen Wurzeln, mit der Idee im Gepäck, den Vinum Hadrianum, den Wein aus der Römerzeit, wieder aufleben zu lassen.

Ein Archäologe und eine Reihe anderer Wissenschaftler halfen, das nötige Wissen über den Weinbau der damaligen Zeit zu recherchieren. Wie früher sollen die Weine in Amphoren reifen, die aus dem gleichen lehmigen Ton gebrannt werden, auf dem auch die Weinreben in der steinigen, von mächtigen Erosionsrinnen, den Calanchi, durchzogenen Hügellandschaft Atris stehen.

vinum-hadrianum-weinberg.jpgBild: Vinum Hadrianum
Blick auf Weinberge des Vinum-Hadrianum-Projekts

In dem einzigartigen Naturreservat leben seltene Pflanzen und Tiere. Eine mechanische Bewirtschaftung der Weinberge ist hier unmöglich – und von dem Team um Piero Pavone, das einem biodynamischen Konzept folgt, auch gar nicht gewollt.

Mit sechs Hektar alten Reben, die ursprünglich einem kleinen Familienbetrieb gehörten, fiel 2018 der Startschuss des ehrgeizigen Projekts. Neben einem Önologen, der beratend tätig ist, besteht das Kernteam noch aus fünf Weinbauern aus der Region, die in den Weinbergen die äußerst aufwendige Handarbeit verrichten.

Die ersten Weine sind ein saftiger und fruchtintensiver, mit markanten, aber geschliffenen Tanninen beeindruckender Montepulciano „Maximo“ und ein aus Trebbiano-Trauben gekelterter Orangewein „Aelio“, ein Kraftpaket, das mit kaum mehr als 12,5 % Alkohol auskommt, in seiner Aromatik aber durchaus ein wenig an einen Viognier von der südlichen Rhône erinnert. Die Maischegärung verleiht ihm eine ausgeprägte Phenolik, die den Mund ausfüllt, ohne ins Bittere abzudriften.

montonico.jpgBild: Vinum Hadrianum
Trauben der Rebsorte Montonico Bianco

Am Ziel sind Piero Pavone und seine Mitstreiter mit ihren äußerst gelungenen Erstlingswerken, so exzellent sie auch sein mögen, naturgemäß aber noch nicht. Weil der Ausbau in den Amphoren sich im ersten Jahr noch als zu schwierig erwies, reiften die Debütweine noch in konventionellen Behältnissen. Bei den noch nicht freigegebenen Jahrgangsnachfolgern sieht dies aber bereits anders aus.

Vinum-Hadrianum-Weine sollen möglichst naturbelassen sein, mit dem Geschmack hochwertiger, durch Mazeration aus den Beerenhäuten extrahierter Tannine und ohne den Einsatz selektionierter Hefen.

Mit so manchen Auswüchsen der Naturweinszene können sich die Weinmacher jedoch offenbar nicht anfreunden. Ganz und gar undogmatisch erhalten die Weine den für ihre Haltbarkeit nötigen Schwefel. Während der „Maximo“ mit nur 68 mg/l Schwefeldioxid seine Balance gefunden hat, schlagen beim reduktiven „Aelio“ immerhin 89 mg/l zu Buche. Beide Weine werden daher mühelos mehrere Jahre in Würde reifen. Das haben sie ihren Vorbilder aus der Römerzeit zweifellos voraus.

Die Weichen für die Zukunft sind bereits gestellt. Sukzessive kommen weitere Weinberge zum Projekt hinzu. Der Rebsortenspiegel soll sich zeitnah um die weißen Sorten Pecorino und Passerina erweitern, und neben einem weiteren Orangewein ist auch die Produktion eines Süßweins geplant.

Die Weine im Überblick

Vinum Hadrianum

Contrada S. Martino, 31
64032 Atri
Italien
Internet: www.vinumhadrianum.com
E‑Mail: info@vinumhadrianum.com

Portrait und alle Weine

WeinorangetrockenTrebbiano

2019er „Aelio“

Italien

Abruzzo ↳ Trebbiano d'Abruzzo • Denominazione di origine controllata (DOC)

13 % vol Alkohol

16,5🯅

Verkostet am 9. November 2020 von Werner Elflein

Intensives Gelb. Eigenwilliger und ernsthafter, leicht medizinal anmutender, erdiger Duft. Trotz moderatem Alkoholgehalt kraftvoll und wärmend, den Mund mit weicher Phenolik auskleidend. Lebt von der Qualität der extrahierten Gerbstoffe. Erkennbare Reduktivität. Sehr gute Länge.

WeinrottrockenMontepulciano

2018er „Maximo“

Italien

Abruzzo ↳ Colline Teramane Montepulciano d'Abruzzo • Denominazione di origine controllata e garantita (DOCG)

14 % vol Alkohol

17🯅

Verkostet am 10. November 2020 von Werner Elflein

Blickdichtes Dunkelrot. Zugleich konzentrierter wie auch feiner Duft nach Waldbeeren, am ehesten vielleicht Holunder, mit kräuterwürziger Komponente. Mit Luft zunehmend floral. Bei nicht übermäßigem Alkohol wärmend. Dichte, saftige Frucht mit sehr präsenten, aber reifen und zweifellos hochwertigen Tanninen. Wird mit zunehmendem Luftkontakt harmonischer, die Tannine beginnen sich zu glätten. Vitale Säure. Hervorragende Länge.

Zeichenerklärung
🯅Die Bewertung des Weins basiert auf einen einzelnen Verkoster. Der Verkoster wird namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte entweder offen oder blind. Im Falle einer blinden Verkostung ist diese explizit als solche gekennzeichnet.
🯅🯅Die Bewertung des Weins basiert auf zwei Verkostern. Die Verkoster werden namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte nach dem Vier-Augen-Prinzip, bei der sich beide Verkoster auf eine gemeinsame Bewertung einigen.
🯅🯅🯅Die Bewertung basiert auf einer Verkostung unserer Jury und gibt den von uns aus den Einzelbewertungen der Verkoster errechneten Mittelwert an. Unser Mittelwert basiert auf dem Median.
Die Bewertung des Weins erfolgte im Rahmen einer Blindverkostung. Für eine Blindverkostung gelten bei uns strenge Regeln. Die Verkoster erhalten grundsätzlich keinerlei Informationen, die eine Identifizierung der Weine ermöglicht. Weitere Informationen, die über die Themenstellung hinausgehen, sind den Verkostern nur dann zugänglich, wenn sie für das Verständnis der Weine unbedingt erforderlich sind.
🕓Für die Verkostung des Weins stand uns – typischerweise während einer offenen Verkostungsveranstaltung, beispielsweise einer Weinmesse – nur wenig Zeit zur Verfügung. Der Wein konnte daher in seiner Entwicklung im Glas nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Die Aussagefähigkeit unserer Bewertung kann daher unter Umständen eingeschränkt sein.
Der Wein wurde als Fassmuster oder vor Erteilung einer amtlichen Prüfungsnummer oder staatlichen Prüfnummer verkostet. Muster ungefüllter Weine werden von uns nur in Ausnahmefällen akzeptiert, und auch nur dann, wenn wir von einer ausreichenden Stabilität auf der Flasche für einen Zeitraum von mindestens drei Monaten ausgehen können.
Der Wein zeigte sich bei unserer Verkostung sensorisch auffällig. Dabei muss es sich nicht zwingend um einen Weinfehler handeln. Qualität und Quantität der Auffälligkeit werden von uns kategorisiert und fließen in die Bewertung ein. Weinfehler wie Korkschmecker oder die untypische Alterungsnote führen grundsätzlich zu einer vollständigen Ablehnung.
Verkostungen, die sich auf dieselbe Flasche eines Weins beziehen, werden optisch durch eine Punktelinie zusammengefasst.