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Aus eins mach drei

Kilian Schmitges’ Drei-Fässer-Experiment

11. Januar 2024
Werner Elflein

aus-eins-mach-drei.jpgBild: weinfreaks.de
Kilian Schmitges' Experimentalweine

Ein außergewöhnliches Experiment startete Mittelmosel-Winzer Kilian Schmitges aus Erden im Herbst 2016. Das Lesegut seines besten trockenen Rieslings verteilte er gleichmäßig auf gleich drei unterschiedliche Behältnisse. Das Besondere: Neben einem Stahltank und einem Stückfass aus Eichenholz kam auch ein Granitfass zum Einsatz. Während sich die drei Weine (auf dem Etikett mit Steel, Stone und Wood bezeichnet) im ersten Jahr nach der Füllung noch sehr ähnelten, offenbaren sie nun, im gereiftem Stadium, signifikante Unterschiede. Führte zunächst die Edelstahl- vor der Granitvariante, so ergibt sich für uns mit dem gebührenden zeitlichen Abstand eine völlig andere Rangfolge.

Das aus einem neun Tonnen schweren Granitblock hergestellte Steinfass wiegt mit Deckel noch gut zwei Tonnen. Während Granitfässer in Österreich bereits häufiger verwendet werden, sind sie in Deutschland nahezu unbekannt. Kilian Schmitges bekam die Möglichkeit, das 15000 Euro teure Fass ein Jahr lang auszuprobieren.

Die Erwartungen waren hoch. „Granit passt sehr gut zum Mosel-Riesling, es gibt nichts Natürlicheres als Stein“, so Schmitges. „Genau so wie das Barriquefass seinen unverkennbaren Geschmack an den Wein abgibt, so soll das Granitfass jetzt die Mineralität im Wein hervorheben.“

Die Weine des Experiments stammen aus einer Parzelle des Erdener Treppchens, die mit wurzelechten Reben bepflanzt ist. Am 29. Oktober 2016 wurden die reifen Trauben auf einer Fläche von 5500 m² mit einem Mostgewicht von 93 Grad Oechsle selektiv von Hand gelesen. Nach einer sechsstündigen Maischestandzeit und einer schonenden Pressung mit 0,4 bar über weitere sechs Stunden wurde der Most nach einer natürlichen Vorklärung auf die drei Gebinde verteilt. Die Weine verblieben nach der Spontangärung bis Mitte Januar auf der Vollhefe und bis zur Füllung im April auf der Feinhefe.

Als wir im Juni 2017 die drei Rieslinge erstmals blind nebeneinander verkosteten, taten wir uns schwer, den Weinen die Behältnisse zuzuordnen, in denen sie ausgebaut wurden. Insgesamt fanden wir mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes. Den Vorzug gaben wir damals noch dem Steel, gefolgt vom Stone. Wood machte es uns nicht leicht.

Für unsere zweite Verkostung der inzwischen sechs Jahre auf der Flasche gereiften Weine, die wir selbstverständlich erneut blind durchführten, haben wir die Probenfolge in mehreren Flights immer wieder verändert, um psychologische Einflüsse auf die sensorische Wahrnehmung weitestgehend auszuschalten. Diesmal traten die Unterscheide deutlicher zutage. Wenngleich es sich um dasselbe Ausgangsmaterial handelte, beschreiben die drei Weine doch sehr unterschiedliche Entwicklungskurven. Mehr noch: Losgelöst vom Diskurs über die Stilistik der Weine zog Wood an Stone und Steel vorbei, und Stone überholte Steel. Damit kehrte sich die frühere Rangfolge genau um. Steel war schon früh recht präsent, scheint seinen Höhepunkt aber bereits überschritten zu haben. Wood konnte sich steigern, dürfte derzeit den Zenit erreicht haben, scheint aber noch über Reserven für das eine oder andere zusätzliche Jahr auf der Flasche zu verfügen.

Zwischen Steel und Wood thront Stone in stoischer Ruhe. Noch ist nicht klar, wie lange er sich noch auf dem Plateau, das er gefunden zu haben scheint, behaupten wird. Wir vermuten, dass er längerfristig mindestens über das Reifepotenzial des Wood verfügt. Mit dem Ausbau im Granitfass eröffnet sich für Kilian Schmitges eine interessante Alternative zum Edelstahl. Stone zeigte, wie erwartet, eine markante Mineralität, allerdings ein wenig auf Kosten der Komplexität, die wir im Wood vorfanden.

Inwieweit sich das Granitfass zukünftig etablieren wird, bleibt abzuwarten. Wir sehen hier durchaus großes Potenzial, insbesondere im Verschnitt mit Partien aus dem Holzfass. Im Glas haben wir ein Mischungsverhältnis von 1:1 nachgestellt und fanden diese Vermählung sehr erfolgversprechend.

Die Weine im Überblick

Schmitges

Hauptstraße 24
54492 Erden
Deutschland
Telefon: +49 6532 2743
Telefax: +49 6532 3934
Internet: www.schmitges-weine.de
E‑Mail: info@schmitges-weine.de

Portrait und alle Weine

WeinweißtrockenWeißer Riesling

2016er Erdener Treppchen Riesling „Steel“ Qualitätswein trocken

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 2582071 19 17 • 12,5 % vol Alkohol

15,5🯅

Verkostet am 21. Oktober 2023 von Werner Elflein

Helles Gelb. Recht verschlossener, pudriger Duft mit reduktiver Komponente. Weist ansonsten durchaus größere Ähnlichkeiten mit der Wood-Variante auf. Wirkt allerdings trotz des Ausbaus im Edelstahl in der Mitte fülliger und cremiger. Grünkräuterige Mineralität, sehr lang. Im sich verschlankenden Abgang mit leichter phenolischer Bitternis.

15,5🯅🯅

Verkostet am 21. Oktober 2023 von Werner Elflein und Julia Elflein

16🯅

Verkostet am 25. Juni 2017 von Werner Elflein

16🯅🯅

Verkostet am 25. Juni 2017 von Werner Elflein und Julia Elflein

WeinweißtrockenWeißer Riesling

2016er Erdener Treppchen Riesling „Stone“ Qualitätswein trocken

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 2582071 18 17 • 12,5 % vol Alkohol

16🯅

Verkostet am 21. Oktober 2023 von Werner Elflein

Helles Gelb. Ausgesprochen fokussiert, sowohl in Nase als auch Mund. Klare Fruchtausprägung, ein Hauch Erdbeere, aber auch mit etwas reduktivem Charakter. Auf der Zunge mit pflanzlicher Note, gewisser Phenolik und geschliffener Säure. Setzt erwartungsgemäß auf Mineralität und verfügt über Ecken und Kanten. Sehr gute Länge. Verbindet schlanke Eleganz mit stoischer Gelassenheit.

16🯅🯅

Verkostet am 21. Oktober 2023 von Werner Elflein und Julia Elflein

15,5🯅

Verkostet am 25. Juni 2017 von Werner Elflein

15,5🯅🯅

Verkostet am 25. Juni 2017 von Werner Elflein und Julia Elflein

WeinweißtrockenWeißer Riesling

2016er Erdener Treppchen Riesling „Wood“ Qualitätswein trocken

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 2582071 17 17 • 12,5 % vol Alkohol

17🯅

Verkostet am 21. Oktober 2023 von Werner Elflein

Helles Gelb. Zeigt sich in der Nase offen und gut entwickelt. Anklänge von gelben Früchten, grünen Blättern, schwarzer Johannisbeere und Eukalyptus mit zarter mineralischer Note. Auf der Zunge der aus dem Trio Steel, Stone und Wood wohl feinste und ausgewogenste Riesling. Zeigt eine sehr gute Komplexität und vor allem im Abgang eine gewisse Cremigkeit. Spuren von Brennnessel und Waldmeister. Leicht grünkräuterig, mit pikanter Säure und hervorragender Länge. Hat sich entgegen unserer ersten Prognose ausgesprochen positiv entwickelt.

17🯅🯅

Verkostet am 21. Oktober 2023 von Werner Elflein und Julia Elflein

15🯅

Verkostet am 25. Juni 2017 von Werner Elflein

15🯅🯅

Verkostet am 25. Juni 2017 von Werner Elflein und Julia Elflein

Zeichenerklärung
🯅Die Bewertung des Weins basiert auf einen einzelnen Verkoster. Der Verkoster wird namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte entweder offen oder blind. Im Falle einer blinden Verkostung ist diese explizit als solche gekennzeichnet.
🯅🯅Die Bewertung des Weins basiert auf zwei Verkostern. Die Verkoster werden namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte nach dem Vier-Augen-Prinzip, bei der sich beide Verkoster auf eine gemeinsame Bewertung einigen.
🯅🯅🯅Die Bewertung basiert auf einer Verkostung unserer Jury und gibt den von uns aus den Einzelbewertungen der Verkoster errechneten Mittelwert an. Unser Mittelwert basiert auf dem Median.
Die Bewertung des Weins erfolgte im Rahmen einer Blindverkostung. Für eine Blindverkostung gelten bei uns strenge Regeln. Die Verkoster erhalten grundsätzlich keinerlei Informationen, die eine Identifizierung der Weine ermöglicht. Weitere Informationen, die über die Themenstellung hinausgehen, sind den Verkostern nur dann zugänglich, wenn sie für das Verständnis der Weine unbedingt erforderlich sind.
🕓Für die Verkostung des Weins stand uns – typischerweise während einer offenen Verkostungsveranstaltung, beispielsweise einer Weinmesse – nur wenig Zeit zur Verfügung. Der Wein konnte daher in seiner Entwicklung im Glas nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Die Aussagefähigkeit unserer Bewertung kann daher unter Umständen eingeschränkt sein.
Der Wein wurde als Fassmuster oder vor Erteilung einer amtlichen Prüfungsnummer oder staatlichen Prüfnummer verkostet. Muster ungefüllter Weine werden von uns nur in Ausnahmefällen akzeptiert, und auch nur dann, wenn wir von einer ausreichenden Stabilität auf der Flasche für einen Zeitraum von mindestens drei Monaten ausgehen können.
Der Wein zeigte sich bei unserer Verkostung sensorisch auffällig. Dabei muss es sich nicht zwingend um einen Weinfehler handeln. Qualität und Quantität der Auffälligkeit werden von uns kategorisiert und fließen in die Bewertung ein. Weinfehler wie Korkschmecker oder die untypische Alterungsnote führen grundsätzlich zu einer vollständigen Ablehnung.
Verkostungen, die sich auf dieselbe Flasche eines Weins beziehen, werden optisch durch eine Punktelinie zusammengefasst.