Der Einzellagen roter Faden
Geologische Diversität im Weingut Tesch
25. Oktober 2019
Werner Elflein
Bild: Deutsches WeininstitutAuf eine gut dreihundertjährige Geschichte blickt das Langenlonsheimer Weingut Tesch zurück. Der Betrieb ist ein Musterbeispiel für die gelungene Synthese aus Tradition und Moderne. Für das durchdachte und optisch ansprechende Flaschendesign erhielt Inhaber Dr. Martin Tesch sogar den begehrten Red-Dot-Design-Award. Alte Zöpfe schnitt der promovierte Mikrobiologe konsequent ab. Er verbannte den obsoleten Naturkorken zugunsten eines Schraubverschlusses und stieg aus dem Regionalverband des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter an der Nahe aus, weil sein Vermarktungskonzept nicht zur Ideologie der elitären Vereinigung passte.
Tesch ist jedoch keineswegs ein Avantgardist. Vielmehr versteht er es, seine trocken ausgebauten Rieslinge in zeitgemäßem Gewand zu präsentieren. Diese wiederum zeigen stilistisch keinerlei Anbiederung an den Zeitgeist. Im Gegenteil. Böden, Exposition der Weinberge, Kleinklima und Jahrgang spiegeln sich unverfälscht in den sechs Lagenweinen wider. Rieslingliebhaber mit dem Fokus auf Terroirweine kommen hier voll auf ihre Kosten.
Die 2017er präsentierten sich ungemein saftig, mit einer vitalen Säure und beeindruckender mineralischen Tiefe.
Den Stellenwert eines Gutsweins hat bei Tesch der „Unplugged“, ein puristischer Riesling, der getreu seiner Namensgebung ohne jegliche Verstärkung, sprich Chaptalisierung, auskommt. Der 2017er ist geradlinig, schnörkellos und verfügt über eine markante, aber dennoch gut ausbalancierte Säure.
Die Aromatik des „Unplugged“, eine dezente, zwischen grünem Apfel, Nektarine, Grapefruit und Pfirsich changierende Frucht, finden wir beim ersten der Lagenweine, dem leicht kräuterwürzigem Langenlonsheimer Löhrer Berg, in komplexerer Variation wieder, 2017 überlagert von einer jahrgangstypischen Komponente, die an reife Honigmelone erinnert.
Während im Löhrer Berg ein lehmiger Boden mit Kies vorherrscht, prägen Muschelkalk und Löss den Langenlonsheimer Königsschild und führen im Wein zu einer deutlich feineren, eleganteren Aromenbildung mit pflanzlichen Noten in der Nase und einem harmonischen, aber dennoch vibrierenden Säurespiel auf der Zunge.
Zu einer wahren Fruchtexplosion im Mund setzt die Laubenheimer Krone an. Lösslehm und verwitterter roter Sandstein resultieren hier in einem ausdrucksvollen Nebeneinander von gelber Zitrusfrucht und tropischem Obst, untermalt von etwas Holunder. Ein trockener Riesling mit einer außergewöhnlichen Präsenz, die bis in den Nachhall fortdauert.
Wir geben gerne zu, über die Jahre eine besondere Vorliebe für den Laubenheimer Karthäuser und seine roten Sandsteinböden entwickelt zu haben. Dies schlägt sich auch beim 2017er in unserer hohen Bewertung nieder. Tatsächlich ist er für uns auch in diesem Jahr zum Zeitpunkt unserer Verkostung der kompletteste Riesling der Kollektion. Hier finden wir neben reifer Aprikose, Pfirsich und einem Hauch von Honigmelone auch Tabak und Kräuter. Eine saftige Fruchtfülle trifft auf vibrierende Säure, großartige Eleganz, Länge und Nachhaltigkeit.
Zweifellos mit großen Anlagen, derzeit aber noch sehr verschlossen, präsentiert sich der Laubenheimer St. Remigiusberg. Der Remigiusberg liegt unmittelbar neben dem Karthäuser, weist jedoch eine gänzlich andere Bodenstruktur (verwittertes Vulkangestein mit eisenerzdurchzogenem Lehm) auf. Der 2017er ist vielschichtig und wirkt noch nicht ganz in sich geschlossen. In der Nase zeigt er eher dezente fruchtige Anklänge von gelbem Steinobst und eine Feuersteinnote. Auf der Zunge ist er zupackend, ja geradezu fordernd, mit einer leicht bitter anklingenden mineralischen Würze, die sich sofort bis in den hintersten Mundwinkel ausbreitet. Zweifellos braucht der Remigiusberg noch Zeit, um seine innere Balance zu finden. Ob er dann seine Pendants aus Krone und Karthäuser einholen, vielleicht sogar überholen wird, können wir derzeit nicht mit Sicherheit einschätzen. Bei einer Nachverkostung während der ProWein im vergangenen Jahr präsentierte er sich aber bereits in deutlich stärkerer Verfassung.
Neugierig, ob es über die Jahrgangsgrenzen hinweg so etwas wie einen roten Faden gibt, der sich in den Lagenrieslingen jedes Jahr aufs Neue finden lässt, verkosteten wir die 2018er. Hier erwies sich der extrem heiße und trockene Jahrgang, in dem die Ausbildung standortspezifischer Aromen in den Trauben naturgemäß deutlich erschwert war, als die bereits im Vorfeld erwartete harte Nuss. Dennoch konnten wir in unserer Verkostung Parallelen erkennen: Wieder setzten sich die Laubenheimer Einzellagen an die Spitze und zeigten sich erneut insgesamt komplexer und tiefgründiger. Unter den Mitbewerbern aus Langenlonsheim überzeugte 2018 auch der Debütant aus dem Rothenberg. Nicht so stark wie im Vorjahr sahen wir den Königsschild. Der St. Remigiusberg spielte seine individuelle Klasse gegenüber den anderen Einzellagen diesmal deutlicher aus, zumal er im Gegensatz zum Vorjahr überraschenderweise keineswegs verschlossen wirkte.
Die Weine im Überblick
Tesch
Naheweinstraße 99
55450 Langenlonsheim
Deutschland
Telefon: +49 6704 9304-0
Telefax: +49 6704 9304-15
Internet: www.weingut-tesch.de
E‑Mail: info@weingut-tesch.de
2018er Langenlonsheimer Königsschild Riesling Qualitätswein trocken
Deutschland
Nahe • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)
Amtliche Prüfungsnummer 7738166 10 19 • 13 % vol Alkohol
2018er Langenlonsheimer Löhrer Berg Riesling Qualitätswein trocken
Deutschland
Nahe • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)
Amtliche Prüfungsnummer 7738166 9 19 • 12,5 % vol Alkohol
2018er Langenlonsheimer Rothenberg Riesling Qualitätswein trocken
Deutschland
Nahe • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)
Amtliche Prüfungsnummer 7738166 15 19 • 13 % vol Alkohol
2018er Laubenheimer Karthäuser Riesling Qualitätswein trocken
Deutschland
Nahe • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)
Amtliche Prüfungsnummer 7738166 12 19 • 12,5 % vol Alkohol
2018er Laubenheimer Krone Riesling Qualitätswein trocken
Deutschland
Nahe • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)
Amtliche Prüfungsnummer 7738166 11 19 • 12,5 % vol Alkohol
2018er Laubenheimer St. Remigiusberg Riesling Qualitätswein trocken
Deutschland
Nahe • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)
Amtliche Prüfungsnummer 7738166 13 19 • 12,5 % vol Alkohol
2017er Langenlonsheimer Königsschild Riesling Qualitätswein trocken
Deutschland
Nahe • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)
Amtliche Prüfungsnummer 7738166 6 18 • 12,5 % vol Alkohol
2017er Langenlonsheimer Löhrer Berg Riesling Qualitätswein trocken
Deutschland
Nahe • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)
Amtliche Prüfungsnummer 7738166 5 18 • 12,5 % vol Alkohol
2017er Laubenheimer Karthäuser Riesling Qualitätswein trocken
Deutschland
Nahe • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)
Amtliche Prüfungsnummer 7738166 8 18 • 12,5 % vol Alkohol
2017er Laubenheimer Krone Riesling Qualitätswein trocken
Deutschland
Nahe • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)
Amtliche Prüfungsnummer 7738166 7 18 • 12,5 % vol Alkohol
2017er Laubenheimer St. Remigiusberg Riesling Qualitätswein trocken
Deutschland
Nahe • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)
Amtliche Prüfungsnummer 7738166 9 18 • 12,5 % vol Alkohol
2017er „Unplugged“ Riesling Qualitätswein trocken
Deutschland
Nahe • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)
Amtliche Prüfungsnummer 7738166 10 18 • 12,5 % vol Alkohol
Zeichenerklärung
| 🯅 | Die Bewertung des Weins basiert auf einen einzelnen Verkoster. Der Verkoster wird namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte entweder offen oder blind. Im Falle einer blinden Verkostung ist diese explizit als solche gekennzeichnet. |
| 🯅🯅 | Die Bewertung des Weins basiert auf zwei Verkostern. Die Verkoster werden namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte nach dem Vier-Augen-Prinzip, bei der sich beide Verkoster auf eine gemeinsame Bewertung einigen. |
| 🯅🯅🯅 | Die Bewertung basiert auf einer Verkostung unserer Jury und gibt den von uns aus den Einzelbewertungen der Verkoster errechneten Mittelwert an. Unser Mittelwert basiert auf dem Median. |
| ⚖ | Die Bewertung des Weins erfolgte im Rahmen einer Blindverkostung. Für eine Blindverkostung gelten bei uns strenge Regeln. Die Verkoster erhalten grundsätzlich keinerlei Informationen, die eine Identifizierung der Weine ermöglicht. Weitere Informationen, die über die Themenstellung hinausgehen, sind den Verkostern nur dann zugänglich, wenn sie für das Verständnis der Weine unbedingt erforderlich sind. |
| 🕓 | Für die Verkostung des Weins stand uns – typischerweise während einer offenen Verkostungsveranstaltung, beispielsweise einer Weinmesse – nur wenig Zeit zur Verfügung. Der Wein konnte daher in seiner Entwicklung im Glas nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Die Aussagefähigkeit unserer Bewertung kann daher unter Umständen eingeschränkt sein. |
| ⛬ | Der Wein wurde als Fassmuster oder vor Erteilung einer amtlichen Prüfungsnummer oder staatlichen Prüfnummer verkostet. Muster ungefüllter Weine werden von uns nur in Ausnahmefällen akzeptiert, und auch nur dann, wenn wir von einer ausreichenden Stabilität auf der Flasche für einen Zeitraum von mindestens drei Monaten ausgehen können. |
| ▲ | Der Wein zeigte sich bei unserer Verkostung sensorisch auffällig. Dabei muss es sich nicht zwingend um einen Weinfehler handeln. Qualität und Quantität der Auffälligkeit werden von uns kategorisiert und fließen in die Bewertung ein. Weinfehler wie Korkschmecker oder die untypische Alterungsnote führen grundsätzlich zu einer vollständigen Ablehnung. |
| Verkostungen, die sich auf dieselbe Flasche eines Weins beziehen, werden optisch durch eine Punktelinie zusammengefasst. |