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„Ein neues Kapitel“

Christoph Eifel setzt die Familientradition fort

22. August 2024
Werner Elflein

ein-neues-kapitel.jpgBild: Christoph Eifel
Im Keller von Christoph Eifel: Edelstahltanks und Holzfässer in Eintracht nebeneinander

Die Geschichte des Trittenheimer Familienbetriebs lässt sich bis in das Jahr 1635 zurückverfolgen. 2021 übernahm die nächste Generation. Aus dem Weingut Ernst Eifel wurde das Weingut Christoph Eifel.

Die Frage, was genau sich infolge des Generationenwechsels verändert hat, ist gar nicht leicht zu beantworten. Denn traditionsbewusst war man hier schon immer. Zweifellos wäre es ein Wunder, wenn Christoph Eifel, der vor seinem Weinbaustudium in Geisenheim das Winzerhandwerk bei Nik Weis in Leiwen und bei Thomas Haag in Lieser erlernte, nicht eigene Ideen einbrächte und den Stil der Weine nicht behutsam weiterentwickeln würde. Doch muss dies keineswegs eine Zäsur bedeuten.

Christoph Eifel selbst spricht folgerichtig lediglich von einem „neuen Kapitel“ – und nicht von einem neuen Buch –, das er aufgeschlagen hat. Wie auch immer: Die ersten Jahrgänge unter seiner Regie waren sehr erfolgreich und haben ihm bereits zahlreiche Auszeichnungen eingebracht.

Während in anderen Weingütern an der Mosel auch andere Rebsorten eine zunehmend wichtigere Rolle spielen, findet man bei Christoph Eifel nach wie vor fast ausschließlich Riesling, ganz traditionell von trocken bis edelsüß, vom Qualitätswein bis zum Eiswein und zur Trockenbeerenauslese. Weiß- und Grauburgunder spielen nur eine Nebenrolle. Eine spezielle Fokussierung auf trockene Rieslinge, wie sie inzwischen auch im nördlichen Anbaugebiet Mosel üblich geworden ist, gibt es hier nicht.

christoph-eifel.jpgBild: Christoph Eifel
Christoph Eifel im Steilhang

Wir haben eine Auswahl von Rieslingen des Jahrgangs 2023 verkostet. Unter den Weinen verdient zweifellos der „Schiefergestein“ besondere Beachtung. Denn obwohl er nominell als Gutswein auftritt, handelt es sich de facto um einen Lagenwein, sogar einen aus 60 Jahre alten Reben, aus dem noch immer unterbewerteten Neumagener Rosengärtchen. Hier penetriert die Mineralität besonders intensiv den Geschmackssinn.

Während der „Schiefergestein“ bereits heute recht zugänglich ist, zeigt sich der Riesling aus dem Piesporter Goldtröpfchen noch ein wenig zugeknöpft, auch wenn der Charakter der Einzellage bereits sehr deutlich in Erscheinung tritt. Obwohl er sich sensorisch nicht als kompromisslos trocken outet, ist er es in Wirklichkeit sehr wohl.

Überhaupt, die Analysewerte. Bei unserer Verkostung kamen wir einmal mehr zu der Erkenntnis, dass diese oft mitunter gewaltig von der geschmacklichen Wahrnehmung abweichen können. Das hat nicht zuletzt auch mit den Einzellagen zu tun, und bei den drei Kabinett-Rieslingen kam dies besonders eindrucksvoll zum Vorschein.

Wirkte der Vertreter aus der Trittenheimer Apotheke, zugleich mit nur 7,5 % Alkohol der leichteste im Verbund, trotz beeindruckender Stoffigkeit etwas süßer als seine Pendants aus dem Dhroner Hofberg und dem Piesporter Goldtröpfchen, so ist er doch derjenige mit dem geringsten Zuckergehalt.

Erkennbar ist die Handschrift Christoph Eifels, die sowohl auf Filigranität und Eleganz als auch auf Ausdruck setzt, ohne die natürlichen Fruchtaromen zu negieren. Vielleicht erinnert diese Handschrift deswegen ein wenig an die Philosophie Hans-Günter Schwarz’, die Aromatik der Trauben möglichst unverfälscht in den Wein hinüberzuretten.

Daher ist es alles andere als überraschend, dass der Dhroner-Hofberg-Kabinett sowohl über die ihm eigene vibrierende Mineralität als auch über typische feine Maracujanoten verfügt. Nicht zuletzt aufgrund seines Aromaspiels sehen wir in ihm den spannendsten der drei Kabinette.

Der dritte Kabinett im Bunde, aus dem Piesporter Goldtröpfchen, ist ein saftiger Riesling, dessen Fruchtfülle die Herkunft klar widerspiegelt.

Der sehr gelungene feinherbe Kabinett aus der Trittenheimer Apotheke wird mit Reife sicher zulegen und die Süße noch besser in das Geschmacksbild integrieren.

Die Weine im Überblick

Christoph Eifel

Johannes-Trithemius-Straße 21
54349 Trittenheim
Deutschland
Telefon: +49 6507 2632
Telefax: +49 6507 6683
Internet: www.weinguteifel.de
E‑Mail: info@weinguteifel.de

Portrait und alle Weine

WeinweißtrockenWeißer Riesling

2023er Piesporter Goldtröpfchen Riesling Qualitätswein trocken

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 2607357 11 24 • 12,5 % vol Alkohol

16,5🯅

Verkostet am 8. Juli 2024 von Werner Elflein

Helles Zitronengelb. Anfangs zartrauchiger Duft nach Pfirsich, Pfirsichkern und Steinobst, doch mit bereits wenig Luft zunehmend tropisch mit Aromen von Maracuja. Am Gaumen mit dezent salziger Mineralität, nicht kompromisslos trocken und sich zur saftigen Frucht bekennend. Leicht herbe, wieder von Mineralität geprägte Komponente. Animierender Stil, sehr gute Länge und Nachhaltigkeit. Noch jugendlich, mit gutem Potenzial.

WeinweißtrockenWeißer Riesling

2023er „Schiefergestein“ Riesling Qualitätswein trocken

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 2607357 10 24 • 12 % vol Alkohol

16🯅

Verkostet am 1. Juli 2024 von Werner Elflein

Als Gutswein deklariert, faktisch jedoch ein Einzellagenwein aus alten Reben im Neumagener Rosengärtchen. Blassgelb. In der noch jugendlichen, durchaus ein wenig floralen Nase sind neben Aromen von Zitrus und gelbem Apfel auch rotfruchtige Nuancen von Walderdbeere und Preiselbeere sowie dezente Anklänge von Waldmeister und gebrannter Mandel wahrnehmbar. Über allem steht jedoch eine prägnante Schiefermineralität, die auch die Struktur definiert. Eine beeindruckende Komplexität sorgt im Mund regelrecht für ein Auseinanderfalten der zunächst komprimierten Schichten. Eine elegante Säure verleiht Spannung. Energiegeladener, vibrierender und nicht kompromisslos trockener Riesling mit hervorragender Länge.

Weinweißtrocken bis feinherbWeißer Riesling

2023er Trittenheimer Apotheke Riesling Kabinett feinherb

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 2607357 14 24 • 10,5 % vol Alkohol

15,5🯅

Verkostet am 2. Juli 2024 von Werner Elflein

Helles Zitronengelb. Zartfruchtiger Duft nach Pfirsich und gelbem Apfel mit floraler Note. Auf der Zunge subtil mit feiner Süße und geschliffener Säure. Saftig und animierend. Hervorragende Balance und innere Ruhe. Sehr gute Länge.

WeinweißsüßWeißer Riesling

2023er Dhroner Hofberg Riesling Kabinett

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 2607357 4 24 • 8,5 % vol Alkohol

17🯅

Verkostet am 7. Juli 2024 von Werner Elflein

Zitronengelb. Jugendlicher, zarthefiger Duft nach Maracuja mit Anklängen von Mandarine. Zeigt nach fruchtbetontem Auftakt mit zunehmender Verweildauer im Mund mehr und mehr Struktur. Pikante Säure. Hat Zug. Stoffig und saftig. Sehr lang und nachhaltig. Außerordentlich eigenständiger Kabinett mit expressiver tropischer Aromatik.

WeinweißsüßWeißer Riesling

2023er Piesporter Goldtröpfchen Riesling Kabinett

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 2607357 5 24 • 8 % vol Alkohol

16,5🯅

Verkostet am 3. Juli 2024 von Werner Elflein

Helles Zitronengelb. In der Nase dezente Artefakte der Spontangärung. Duft nach reifem Pfirsich. Auf der Zunge mit einer beeindruckenden, dennoch keineswegs überbordenden Fruchtfülle, die klar die Herkunft widerspiegelt. So kennen wir das Piesporter Goldtröpfchen. Saftig, mit einer feinen Säure unterlegt und hervorragend ausbalanciert. Es ist gar nicht einmal primär die im Hintergrund durchaus präsente Mineralität, die hier strukturgebend wirkt. Es ist das Zusammenspiel aller Geschmackskomponenten, das Spannung erzeugt. Solides Säurefundament, adäquate Süße, hervorragende Länge.

WeinweißsüßWeißer Riesling

2023er Trittenheimer Apotheke Riesling Kabinett

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 2607357 3 24 • 7,5 % vol Alkohol

16,5🯅

Verkostet am 4. Juli 2024 von Werner Elflein

Helles Zitronengelb. Duftet nach grünem Apfel und Birne. Im Vergleich zum fruchtbetonteren Pendant aus dem Piesporter Goldtröfpchen steht hier die Textur im Vordergrund. Vom Alkohol her tendenziell leichter und mit etwas deutlicherer Süße vor dem Hintergrund einer vitalen Säure, wirkt der Kabinett aus der Trittenheimer Apotheke insgesamt etwas druckvoller am Gaumen. Der Wein besticht durch eine außerordentliche Balance und eine innere Ruhe, die in dieser Form während der Reife erhalten bleiben dürfte. Im Finish, das leicht herb anklingt, baut sich eine großartige mineralische Spannung auf, die sich leise über den langen Abgang entlädt.

Zeichenerklärung
🯅Die Bewertung des Weins basiert auf einen einzelnen Verkoster. Der Verkoster wird namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte entweder offen oder blind. Im Falle einer blinden Verkostung ist diese explizit als solche gekennzeichnet.
🯅🯅Die Bewertung des Weins basiert auf zwei Verkostern. Die Verkoster werden namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte nach dem Vier-Augen-Prinzip, bei der sich beide Verkoster auf eine gemeinsame Bewertung einigen.
🯅🯅🯅Die Bewertung basiert auf einer Verkostung unserer Jury und gibt den von uns aus den Einzelbewertungen der Verkoster errechneten Mittelwert an. Unser Mittelwert basiert auf dem Median.
Die Bewertung des Weins erfolgte im Rahmen einer Blindverkostung. Für eine Blindverkostung gelten bei uns strenge Regeln. Die Verkoster erhalten grundsätzlich keinerlei Informationen, die eine Identifizierung der Weine ermöglicht. Weitere Informationen, die über die Themenstellung hinausgehen, sind den Verkostern nur dann zugänglich, wenn sie für das Verständnis der Weine unbedingt erforderlich sind.
🕓Für die Verkostung des Weins stand uns – typischerweise während einer offenen Verkostungsveranstaltung, beispielsweise einer Weinmesse – nur wenig Zeit zur Verfügung. Der Wein konnte daher in seiner Entwicklung im Glas nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Die Aussagefähigkeit unserer Bewertung kann daher unter Umständen eingeschränkt sein.
Der Wein wurde als Fassmuster oder vor Erteilung einer amtlichen Prüfungsnummer oder staatlichen Prüfnummer verkostet. Muster ungefüllter Weine werden von uns nur in Ausnahmefällen akzeptiert, und auch nur dann, wenn wir von einer ausreichenden Stabilität auf der Flasche für einen Zeitraum von mindestens drei Monaten ausgehen können.
Der Wein zeigte sich bei unserer Verkostung sensorisch auffällig. Dabei muss es sich nicht zwingend um einen Weinfehler handeln. Qualität und Quantität der Auffälligkeit werden von uns kategorisiert und fließen in die Bewertung ein. Weinfehler wie Korkschmecker oder die untypische Alterungsnote führen grundsätzlich zu einer vollständigen Ablehnung.
Verkostungen, die sich auf dieselbe Flasche eines Weins beziehen, werden optisch durch eine Punktelinie zusammengefasst.