Gegen den Weinbau und für die Vernichtung des Apollofalters
Absurde Klage gegen das Land Rheinland-Pfalz
23. April 2025
Werner Elflein
Bild: PixabayDie Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist ein nach deutschem Vereinsrecht gemeinnütziger Verein, darüber hinaus aber vor allem eines: eine Gruppe von Lobbyisten, die für ihr Treiben unter anderem staatliche Unterstützung in Anspruch nimmt. 2018 waren dies nach Aussage der Online-Plattform auto.de fast fünf Millionen Euro. Weitere 2,5 Millionen fließen der DUH durch das lukrative Geschäft mit Abmahnungen zu. Zweifel an der Gemeinnützigkeit bestanden in den vergangenen Jahren immer wieder. Nach einem höchst umstrittenen Feldzug gegen Diesel-Fahrzeuge enthüllte der Medien- und Recherchedienst Table.Media im vergangenen Jahr, dass die DUH bereits 2016 einem Verband der Gasindustrie aktiv ihre Dienste angeboten hat – gegen eine Zahlung von 2,1 Millionen Euro.
Nun klagt die DUH gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen (AGL) gegen das Land Rheinland-Pfalz. Dessen zuständiges Weinbauministerium hat den Winzern der Terrassenmosel seit 2011 immer wieder Ausnahmegenehmigungen für die im Bundesland gesetzlich verbotenen Hubschrauberspritzungen erteilt.Anlass der Klage ist die Gefährdung des Apollofalters an der Terrassenmosel. Darüber berichtete weinfreaks.de bereits im Dezember 2023. Laut DUH und AGL seien nämlich die im Weinbau durch Hubschrauber ausgebrachten Spritzmittel für den rapiden Rückgang der Schmetterlingspopulation verantwortlich. Ein Zusammenhang, der sich Fachleuten wie dem Biologen und Klimatologen Dr. Detlef Mader ganz und gar nicht erschließt.
Dr. Mader untersucht seit Jahren die Population des Parnassius apollo vinningensis in den Weinbergen zwischen Winningen und Bremm im Rahmen der langfristigen klimatischen Entwicklung. Seine Prognose für den Erhalt der Art ist düster. Die von ihm im vergangenen Jahr vorgelegten Zahlen belegen, dass ohne geeignete Erhaltungszuchtprogramme das Aussterben des Apollofalters an der Mosel unmittelbar bevorsteht. In seinem Gutachten, das dem Verwaltungsgericht Koblenz im Zuge der Klageerwiderung zuging, verweist er unter anderem auf das Aussterben anderer regionaler Apollofalter im zentralen Mitteleuropa, das in zahlreichen Fällen bereits vor mehr als 100 Jahren und in einigen Fällen sogar vor mehr als 150 Jahren begonnen hat. Zu einer Zeit also, in der weder von einem Klimawandel die Rede sein konnte noch Spritzungen per Hubschrauber stattfanden. Letztere gibt es erst seit dem Beginn der 1970er Jahre.
Entscheidend für den dramatischen Populations-Zusammenbruch des Mosel-Apollos sei, so Dr. Mader, vielmehr eine außergewöhnliche Dauerfrostperiode mit zweistelligen Minusgraden im Winter 2012 gewesen. Während der Mosel-Apollo frühere Kaltperioden immer wieder kompensieren konnte, waren die Verluste in jenem Jahr offenbar zu groß, um die Population längerfristig stabilisieren zu können. Dr. Mader führt hierzu aus, der Mosel-Apollo habe in den Dauerfrostperioden in den Wintern von 1992 bis 2011 im Stile eines widerstandsfähigen, aber angeschlagenen Boxers die Gegentreffer noch wegstecken können, letztlich nach der Dauerfrostperiode Anfang 2012 dem überlegenen Gegner jedoch nichts mehr entgegensetzen können. „Bezugnehmend auf das Sprichwort ‚Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht‘ ist bei dem Mosel-Apollo bei allen Dauerfrostperioden im Winter von 1992 bis 2011 der Krug stabil und intakt geblieben und immer wieder zum Brunnen gegangen.“ Im Winter 2012 sei der Krug jedoch zerbrochen.
In ihrer Stellungnahme zur Klage verweist die DUH auf stabile Vorkommen anderer Apollo-Subspezies in Süddeutschland, in denen kein Weinbau betrieben wird. Doch diese Darstellung entspricht nicht der Wahrheit.
Bereits 1983 ist der Schwarzwald-Apollo ausgestorben. Dr. Mader: „Die anhaltende kühle, nasse und sonnenarme Witterung mit zahlreichen teilweise starken und länger anhaltenden Regenfällen […] in den regenreichen Sommern 1980 und 1981 hat eine erhebliche Vermoosung der Bestände der Weißen Fetthenne […] an dem schotterbedeckten Bahndamm an dem letzten damals noch verbliebenen Flugplatz des Schwarzwald-Apollo […] im Höllental bei Falkensteig […] verursacht.“ Unterlassene Maßnahmen im Naturschutz, insbesondere die nicht erfolgte Beseitigung der Vermoosung der Bestände der Weißen Fetthenne auf dem Bahndamm, und das regelmäßig viel zu frühe Mähen der Blumenwiese mit den Flockenblumen vor und auf dem Bahndamm habe 1983 wesentlich zum Aussterben der Art beitragen.
Dr. Tim Laußmann von der AGL, dem Mitkläger, verstrickt sich in einer von ihm und drei Mitautoren verfassten wissenschaftlich fragwürdigen Arbeit (Laußmann, T.; Geyer, A.; Bamann, T.; Müller, D. [2025]. Parnassius apollo vinningensis: a victim of climate change? Journal of Insect Conservation 29, 24.) in Widersprüche. Nachdem die Autoren die Populationsentwicklung in vier Verbreitungsgebieten des Apollofalters – im Kleinziegenfelder Tal in Oberfranken, im Altmühltal, im Blautal zwischen Blaubeuren und Ulm sowie im Mosteltal – miteinander verglichen haben, behaupten sie fälschlicherweise und völlig unzutreffend, dass es lediglich im Moseltal seit 2012 zu einem Einbruch der Population des Apollofalters gekommen sei: „In conclusion, it is positive to note that three of the four recent extra-alpine P. apollo populations, at the Kleinziegenfelder Valley in the Northern Franconian Jura, at the Altmühl Valley in the Southern Franconian Jura and at Blaubeuren in the Swabia Jura, currently appear to be stable.“ (Übersetzt: „Abschließend ist positiv zu vermerken, dass drei der vier rezenten außeralpinen Populationen des Parnassius apollo im Kleinziegenfelder Tal auf der Nordfränkischen Alb, im Altmühltal auf der Südfränkischen Alb und in Blaubeuren auf der Schwäbischen Alb, derzeit stabil zu sein scheinen.“) Nur wenige Sätze zuvor stellen die Autoren allerdings selbst fest: „Two of the four sites show a stable trend (Kleinziegenfelder Valley and Blaubeuren) while the reference population in the Altmühl Valley has more than halved since 2015.“ (Übersetzt: „Zwei der vier Standorte zeigen einen stabilen Trend [Kleinziegenfelder Tal und Blaubeuren], während sich der Referenzbestand im Altmühltal seit 2015 mehr als halbiert hat.“)
Bild: Laußmann et al.Tatsächlich gibt es erschreckende Parallelen zwischen dem Populationsrückgang im Altmühltal und dem an der Mosel. Kurzzeitig schien sich die Population in beiden Gebieten nach 2012 sogar wieder zu erholen. Der langfristig negative Trend konnte jedoch nicht gestoppt werden. So könnte sich in wenigen Jahren die Tragödie des Apollofalters an der Terrassenmosel im Altmühltal wiederholen – und nicht nur dort. Denn auch im Kleinziegenfelder Tal dokumentiert die Arbeit Populationsabstürze von circa 80 Prozent seit dem für sämtliche Apolloarten in Deutschland offenbar schicksalshaften Jahr 2012. Stabilität sieht anders aus.
Da in keinem der drei erwähnten Gebiete außerhalb der Mosel Weinbau betrieben wird und auch keine Spritzmittel per Hubschrauber ausgebracht werden, greifen die auf die fehlerhafte Datenauswertung von Laußmann et al. aufbauenden Argumente zu vermeintlichen Auswirkungen von Pflanzenschutzmaßnahmen auf die Apollofalter-Population nicht einmal ansatzweise. Wesentlich spannender ist hingegen die Ausgangsfrage der Arbeit: Ist der Apollo ein Opfer des Klimawandels? Diese Frage können auch Laußmann et al. final nicht beantworten, auch wenn sie in der Diskussion ihrer Resultate einige wichtige Aspekte ansprechen, die durchaus darauf hindeuten könnten. Letztlich aber führen sie die komplexe Fragestellung unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaft einer einfachen, populistischen Antwort zu: die bösen Winzer und ihr Gift sind schuld.
Die völlig falsche Interpretation von Laußmann et al. hat Dr. Mader in seinem Gutachten detailliert kritisiert und widerlegt. Dr. Mader kommt aber ausdrücklich zu dem Ergebnis, dass der Mosel-Apollo kein Opfer des Klimawandels, sondern lediglich ein Opfer einer Reihe von in nur wenigen Jahren aufeinanderfolgenden ungünstigen klimatischen Ereignissen seit 2012 ist.
Eine wissenschaftlich valide Erklärung für die Ursache des Niedergangs des Apollofalters steht gegenwärtig noch immer aus. Dr. Mader kann zwar das Jahr 2012 als entscheidenden Kipppunkt und weitere Kipppunkte in den Jahren 2019 und 2024 identifizieren. Die Frage, warum der Apollo jahrhundertelang in seinen Habitaten auch trotz harter Winter überleben konnte und welche Faktoren letztlich und in nur wenigen Jahren den Niedergang der Art beschleunigten, lässt sich jedoch kaum auf einfache Weise beantworten. Dr. Maders Begründung fußt im Wesentlichen auf eine außergewöhnliche Häufung ungünstiger klimatischer Ereignisse seit 2012.
Fest steht: Die im Weinbau verwendeten Spritzmittel sind offensichtlich nicht die Übeltäter. Die Klage der DUH und der AGL entbehrt jeglicher sachlicher Grundlage und soll wohl in erster Linie Schlagzeilen liefern, um die Öffentlichkeit aufzurütteln. Dass dies auf dem Rücken der Moselwinzer geschieht, für die ein Verbot der Hubschrauberspritzungen existenzbedrohend wäre, ist an Kaltschnäuzigkeit kaum zu überbieten. Dass mit einem Verzicht der Spritzungen sogar die Zerstörung des einst von Menschenhand geschaffenen Habitats des Mosel-Apollos einherginge, ist ein weiterer Beweis dafür, dass es der DUH und der AGL in keiner Weise um den Erhalt des Schmetterlings geht, sondern nur um die eigene Profilierung und darum, öffentlich ein Theaterschauspiel zu inszenieren. Mit ihrem völlig untauglichen Versuch, die Winzer der Mosel als Sündenböcke für den drastischen Populationscrash des Mosel-Apollo abzustempeln, wollen DUH und AGL nicht zuletzt auch von der Unfähigkeit und Unwilligkeit der Naturschutzorganisationen ablenken. Denn wegen der unterlassenen, jedoch seit 2012 bitter notwendigen Naturschutzmaßnahmen hat der Schmetterling nun vermutlich keine Chance mehr zu überleben. In dieses Bild passt, dass Dr. Tim Laußmann mehrfach das Angebot von engagierten Moselwinzern ablehnte, ihn bei Wiederansiedlungsprojekten und beim Futterpflanzenausbringen für den Mosel-Apollo aktiv zu unterstützen.
- Laußmann, T.; Geyer, A.; Bamann, T.; Müller, D. (2025). Parnassius apollo vinningensis: a victim of climate change? Journal of Insect Conservation 29, 24.
https://doi.org/10.1007/s10841-025-00657-9 - Mader, D. (2022). Prolongation der Apokalypse des Mosel-Apollo am Limit der Extinktion: Stagnation, Comeback oder Requiem? Mader, Walldorf. ISBN 978-3-9815850-7-0.
Google Drive - Mader, D. (2021). Quo Vadis, Mosel-Apollo? Mader, Walldorf. ISBN 978-3-9815850-6-3.
Google Drive - Mader, D. (2020). Apokalypse des Mosel-Apollo – Aussterben oder Überleben? Mader, Walldorf. ISBN 978-3-9815850-3-2.
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