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Martin Gerlachs Neustart an der Terrassenmosel

Eine erste Bestandsaufnahme nach dem Zusammenschluss der Weingüter Gerlachs Mühle und von Schleinitz

3. Februar 2020
Werner Elflein

martin-gerlachs-neustart-an-der-terrassenmosel.jpgBild: Pixabay
Ruine der Koberner Niederburg

Martin Gerlach war und ist Eigentümer des Weingutes Gerlachs Mühle an der Terrassenmosel. Als sich ihm vor zwei Jahren die Möglichkeit eines Zusammenschlusses mit dem Traditionsgut von Schleinitz bot, griff er zu. Die für die ersten Jahre geplante „Fusion auf Probe“ verspricht jedoch bereits jetzt ein voller Erfolg zu werden. Denn bereits mit dem ersten Jahrgang der beiden vereinigten Weingüter legt Martin Gerlach einen bemerkenswerten Neustart hin.

Wir kennen Martin Gerlach noch aus einer Zeit, in der er lieber die Finger von der für ihn ungeliebten Spontangärung ließ und seine Weine zwar gut, aber nicht bis in letzte Konsequenz ambitioniert waren. Umso überraschter waren wir von seiner aktuellen Kollektion, der ersten des erweiterten Betriebes. Man spürt, dass Martin Gerlach nun deutlich mehr will als früher. Das neue Umfeld scheint ihn zu beflügeln, und die Spontangärung ist inzwischen zu einer seiner besten Freundinnen geworden.

Die von uns verkosteten Rieslinge des heißen Jahrgangs 2018 schmecken cremig und verfügen nur über wenig Säure. Ein nachträgliches Aufsäuern der Moste wäre gesetzlich möglich gewesen, Martin Gerlach hat jedoch von dieser Maßnahme keinen Gebrauch gemacht.

Unter den trockenen und feinherben Rieslingen sticht vor allem der Mursberg hervor, dem wir langfristig sogar noch ein wenig mehr zutrauen als der Roth-Lay (Koberner Uhlen R). Die beiden edelsüßen Auslesen unterscheiden sich stilistisch deutlich. Während die Uhu die traditionelle Auslese mit moderatem Restzucker verkörpert, steht ihr Pendant eher für einen modernen Typ, der Restzucker höheren Alkoholwerten vorzieht.

Die Augen gerieben haben wir uns angesichts der im Vergleich zur Preisgestaltung unerwartet hohen Qualität des Grauburgunders. Auch der Frühburgunder hat uns sehr gefallen.

Die Weine im Überblick

Gerlachs Mühle

Kirchstraße 15–17
56330 Kobern-Gondorf
Deutschland
Telefon: +49 2607 972020
Telefax: +49 2607 972022
Internet: www.vonschleinitz.de
E‑Mail: info@vonschleinitz.de

Portrait und alle Weine

Weinweißtrocken bis feinherbWeißer Riesling

2018er Katteneser Steinchen Mursberg Riesling Qualitätswein

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 1649017  15 19 • 12,5 % vol Alkohol

16,5🯅

Verkostet am 9. Dezember 2019 von Werner Elflein

In seinem Buch „Terrassenkultur an der Untermosel“ (Edition Krieger, 2003) schreibt Joachim Krieger über das Katteneser Steinchen unter anderem: „Hier befindet sich auch das steilste Terrassenstück der Lage, der steile Mursberg mit seinem feinen Blauschieferboden, der in trockenen Jahren sehr geringen, aber zuweilen hochfeinen Ertrag bringt (mit üppigen Pfirsicharomen).“ 2018 ist ein trockenes Jahr, und tatsächlich ist es neben vollreifen Zitrusaromen auch ein zugleich glasklarer wie omnipräsenter Pfirsichduft, der aus dem in leuchtendem Gelb erstrahlenden Glas in die Nase emporsteigt. Im Mund mit saftiger Frische und cremiger Textur. Auf der Zunge tänzelt eine filigrane Rieslingfrucht und konterkariert hervorragend die an einen Jahrgang wie 2003 erinnernde Fülle. Die vorhandene Restsüße ist sehr gut ausbalanciert und dürfte der Garant für eine exzellente Reife des Weines sein. Sehr gute Länge.

Weinweißtrocken bis feinherbWeißer Riesling

2018er „Stehkragen“ Riesling Qualitätswein

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 1649017  14 19 • 13 % vol Alkohol

16🯅

Verkostet am 19. Januar 2020 von Werner Elflein

Zartes Gelbgrün. Von ausladender Fruchtigkeit geprägte Nase mit Duft nach reifen hellen, teilweise tropischen Früchten. Saftig und animierend auf der Zunge. Nuancenreiche, feine und elegante Säure. Schroffe Mineralität. Sehr gute Länge.

von Schleinitz

Kirchstraße 15–17
56330 Kobern-Gondorf
Deutschland
Telefon: +49 2607 972020
Telefax: +49 2607 972022
Internet: www.vonschleinitz.de
E‑Mail: info@vonschleinitz.de

Portrait und alle Weine

WeinrottrockenBlauer Frühburgunder

2018er Frühburgunder Qualitätswein trocken

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 1649017 24 19 • 12,5 % vol Alkohol

15🯅

Verkostet am 23. November 2019 von Werner Elflein

Transparentes Kirschgranat. Würziger, noch leicht laktischer Duft mit ätherischer Komponente nach Sauerkirsche, Blaubeere und etwas roter Grütze. Zeigt viel Präsenz am Gaumen und auf der Zunge. Bei moderatem Alkohol recht konzentriert und mit feinen, samtigen und sandigen Tanninen. Sehr gute Länge und exzellente Nachhaltigkeit.

Weinweißtrocken bis feinherbWeißer Riesling

2018er Koberner Uhlen Riesling R Qualitätswein

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 1649017 7 19 • 13 % vol Alkohol

16🯅

Verkostet am 21. November 2019 von Werner Elflein

Strohgelb bis Weißgold. Reifer Steinobstduft, anfangs flankiert von grünen Zitrusnoten, nach längerem Luftkontakt in der zweiten Nase deutliche Anklänge von edlem Marzipan. Komplexe Aromen von der Spontangärung. Auf der Zunge mit kraftvollem und intensivem Auftakt. Mit der cremigen, bananigen Textur, die typisch ist für einen heißen Jahrgang. Den scheinbaren Mangel an Säure versucht Martin Gerlachs feinherb schmeckender Riesling aus der Rothlay-Gemarkung gar nicht erst wett machen zu wollen, und selbst die durchaus prägnante mineralische Würze vermag es nicht, die „fehlende“ Säure zu kaschieren oder gar zu substituieren. Vielmehr macht der Riesling aus dem Koberner Uhlen im Mund von Anfang an klar, dass er sich Jahrgang und Herkunft stärker verbunden fühlt als dem Geschmacksideal jener, die im Riesling lediglich ein vor Säure strotzendes Erfrischungsgetränk in der Tradition von Coca Cola sehen. Sehr gute Länge, ausgeprägte Cremigkeit auch im Abgang.

Weinweißtrocken bis feinherbWeißer Riesling

2018er Koberner Uhlen Riesling Qualitätswein

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 1649017 5 19 • 13 % vol Alkohol

15🯅

Verkostet am 30. Dezember 2019 von Werner Elflein

Grüngelb. Kräuterwürziger, pflanzlicher Duft nach Maracuja. Auf der Zunge mit cremigem Auftakt. Feinsaftig, gute Balance bei moderater Säure und eingebundenem Alkohol. Sehr lang und nachhaltig.

Weinweißtrocken bis feinherbWeißer Riesling

2018er Koberner Weißenberg Riesling Qualitätswein

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 1649017 10 19 • 12,5 % vol Alkohol

16🯅

Verkostet am 3. Januar 2020 von Werner Elflein

Helles, reflexreiches Strohgelb. Feinfruchtiges Bukett mit feiner kräuteriger Komponente und Aromen von hochreifer Zitrone. Am Gaumen cremig und jahrgangsbedingt mit nur wenig Säure. Setzt ansonsten auf der Zunge über die gesamte Länge hinweg fort, was bereits in der Nase wahrzunehmen war. Feinherbes Geschmacksbild. Erkennbar hervorragendes Traubenmaterial aus einer großen Einzellage. Sehr nachhaltig.

Weinweißtrocken bis feinherbWeißer Burgunder

2018er Weißburgunder Qualitätswein

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 1649017 4 19 • 13,5 % vol Alkohol

15,5🯅

Verkostet am 5. Dezember 2019 von Werner Elflein

Helles Strohgelb. In der Nase etwas Butter und vor allem Vanille. Am Gaumen druckvoll, bei aller Kraft und Opulenz aber mit viel Frische und Lebendigkeit. Würzig und trocken. Sehr gute Länge und Nachhaltigkeit.

Weinweißtrocken bis feinherbRuländer

2018er Grauburgunder Qualitätswein

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 1649017 1 19 • 13,5 % vol Alkohol

16,5🯅

Verkostet am 5. Dezember 2019 von Werner Elflein

Strohgelb mit zartrosa Schimmer. Ausladender Duft von Galia-Melone. Sehr kraftvoll und mit wärmendem, aber gut eingebundenem Alkohol. Fülliger Grauburgunder, der bei aller Opulenz nicht annähernd schwerfällig wirkt. Deutliche Honigwürze und -süße auf der Zunge. Trockenes Geschmacksbild. Harmonisch und gut ausbalanciert, mit hervorragender Länge und minutenlangem Nachhall.

WeinweißfeinherbWeißer Riesling

2018er „Apollo“ Riesling Qualitätswein feinherb

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 1649017  20 19 • 12 % vol Alkohol

15🯅

Verkostet am 16. Dezember 2019 von Werner Elflein

Helles Goldgelb. Fruchtbetonte Nase mit prägnantem Duft nach Maracuja. Zeigt auf der Zunge eine zarte Cremigkeit, feine Süße, aber auch kaum Säure, wodurch er in seiner Anlage ein wenig breit wirkt. Dennoch sehr ausgewogen, in sich ruhend, und bei im wahrsten Sinne des Wortes feinherbem Geschmacksbild mit sehr guter Länge.

WeinweißsüßWeißer Riesling

2018er Koberner Uhlen Riesling Kabinett

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 1649017 6 19 • 11 % vol Alkohol

15,5🯅

Verkostet am 19. Dezember 2019 von Werner Elflein

Funkelndes Gelb mit goldenen Reflexen. In der Nase deutliche Spontangäraromen mit feinem Duft nach Pfirsich und weißer Stachelbeere mit einem Hauch von Karambole. Vollmundig und saftig. Gute Balance zwischen moderater Süße und nur in geringem Maße wahrnehmbarer, zarter, eleganter Säure. Eher im Stile einer Spätlese als eines Kabinetts. Gute Länge.

WeinweißsüßWeißer Riesling

2018er Koberner Weißenberg Riesling Auslese

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 1649017  8 19 • 8 % vol Alkohol

16,5🯅

Verkostet am 4. Dezember 2019 von Werner Elflein

Helles Goldgelb mit auffallend hoher Viskosität. Klarer, reintöniger Beerenduft. Animierende, hervorragend balancierte und saftige Auslese mit zarter Cremigkeit, bananiger Textur, feinster Säure und herzhafter Süße. Sehr gute Länge und Nachhaltigkeit.

WeinweißsüßWeißer Riesling

2018er Koberner Weißenberg Uhu Riesling Auslese

Deutschland

Mosel • Geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)

Amtliche Prüfungsnummer 1649017 17 19 • 10 % vol Alkohol

16,5🯅

Verkostet am 19. Januar 2020 von Werner Elflein

Grüngold. Animierender, konzentrierter Duft nach Schiefer und reifen gelben, teils auch tropischen Früchten. Auf der Zunge elegantes, feinrassiges und subtiles Säurespiel bei gleichzeitiger cremiger Fruchtfülle und gut abgestimmter Süße. Eher traditioneller Auslesestil, der an frühere heiße Jahrgänge wie 1959 erinnert. Sehr gute Länge.

Zeichenerklärung
🯅Die Bewertung des Weins basiert auf einen einzelnen Verkoster. Der Verkoster wird namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte entweder offen oder blind. Im Falle einer blinden Verkostung ist diese explizit als solche gekennzeichnet.
🯅🯅Die Bewertung des Weins basiert auf zwei Verkostern. Die Verkoster werden namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte nach dem Vier-Augen-Prinzip, bei der sich beide Verkoster auf eine gemeinsame Bewertung einigen.
🯅🯅🯅Die Bewertung basiert auf einer Verkostung unserer Jury und gibt den von uns aus den Einzelbewertungen der Verkoster errechneten Mittelwert an. Unser Mittelwert basiert auf dem Median.
Die Bewertung des Weins erfolgte im Rahmen einer Blindverkostung. Für eine Blindverkostung gelten bei uns strenge Regeln. Die Verkoster erhalten grundsätzlich keinerlei Informationen, die eine Identifizierung der Weine ermöglicht. Weitere Informationen, die über die Themenstellung hinausgehen, sind den Verkostern nur dann zugänglich, wenn sie für das Verständnis der Weine unbedingt erforderlich sind.
🕓Für die Verkostung des Weins stand uns – typischerweise während einer offenen Verkostungsveranstaltung, beispielsweise einer Weinmesse – nur wenig Zeit zur Verfügung. Der Wein konnte daher in seiner Entwicklung im Glas nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Die Aussagefähigkeit unserer Bewertung kann daher unter Umständen eingeschränkt sein.
Der Wein wurde als Fassmuster oder vor Erteilung einer amtlichen Prüfungsnummer oder staatlichen Prüfnummer verkostet. Muster ungefüllter Weine werden von uns nur in Ausnahmefällen akzeptiert, und auch nur dann, wenn wir von einer ausreichenden Stabilität auf der Flasche für einen Zeitraum von mindestens drei Monaten ausgehen können.
Der Wein zeigte sich bei unserer Verkostung sensorisch auffällig. Dabei muss es sich nicht zwingend um einen Weinfehler handeln. Qualität und Quantität der Auffälligkeit werden von uns kategorisiert und fließen in die Bewertung ein. Weinfehler wie Korkschmecker oder die untypische Alterungsnote führen grundsätzlich zu einer vollständigen Ablehnung.
Verkostungen, die sich auf dieselbe Flasche eines Weins beziehen, werden optisch durch eine Punktelinie zusammengefasst.