Weinfreaks.de verwendet Cookies. Cookies sind Textdateien, die wir temporär auf deinem Rechner speichern. Unsere Cookies sind technisch notwendig, um dir die Funktionen und Inhalte unserer Website zur Verfügung stellen zu können. Grundsätzlich teilen wir sie nicht mit Dritten. Wir behalten uns lediglich das Recht zur Auswertung deiner Cookies zum Zweck der Gefahrenabwehr vor. Nach dem in der Europäischen Union geltenden Recht benötigen wir hierfür keine explizite Zustimmung von dir. Aus Gründen der Transparenz möchten wir dich dennoch auf die Nutzung von Cookies hinweisen. Für weitere Informationen beachte bitte unsere Erklärung zum Datenschutz.

Anmeldung

Registrieren

Passwort vergessen?

Warenkorb

Dein Warenkorb ist leer.

Um auf weinfreaks.de ein Abonnement abzuschließen oder einzukaufen, musst du registriert und angemeldet sein.

Suche auf Website

ProWein im Sinkflug

Großer Aussteller- und Besucherschwund bei der internationalen Weinmesse in Düsseldorf

24. April 2025
Werner Elflein

prowein-im-sinkflug.jpgBild: Messe Düsseldorf
Einst die bedeutendste Weinmesse der Welt: die Düsseldorfer ProWein

Die Messe Düsseldorf feiert in ihrer Pressemeldung die ProWein 2025 (16.–18. März) als Erfolg. Die Fakten sprechen jedoch eine andere Sprache. Nur noch 4200 Aussteller, 20 Prozent weniger als im Vorjahr, verteilten sich auf die elf Messehallen. Die Zahl der Besucher sank ebenfalls, gegenüber 2024 um gut zehn Prozent auf 42000. Zum Vergleich: 2018 konnte die ProWein noch über 6800 Aussteller und über 60000 Fachbesucher verzeichnen. Während die Messe weiterhin die herausragende Bedeutung der ProWein für die internationale Weinwirtschaft beschwört, erreicht der Exodus vor allem der deutschen Weinproduzenten eine neue Dimension. Nur noch rund 900 Aussteller kamen 2025 aus dem Inland.

Erstmals meldete die konkurrierende Wine Paris, die im Februar stattfand, in diesem Jahr höhere Aussteller- und Besucherzahlen als die ProWein. Obwohl es an der Pariser Weinmesse ebenfalls deutliche Kritik gibt.

Zwar liegen die Hotelkosten in Paris zu Messezeiten unter denen in Düsseldorf. Deutsche Weinerzeuger bemängeln jedoch die langen Fahrtzeiten mit dem öffentlichen Personennahverkehr innerhalb der französischen Metropolregion und den Umstand, dass die deutschen Aussteller in einer Nebenhalle untergebracht waren und dort nur wenige Besucher hatten. Tatsächlich ist in Paris längst nicht alles Gold, was glänzt. Umso schlimmer, dass der ProWein offenbar tragfähige Konzepte fehlen, um zumindest die deutschen Aussteller nachhaltig an Düsseldorf zu binden.

Als reine Abzocke beurteilen viele Messebesucher die happigen Preisforderungen der Düsseldorfer Gastronomie. Sowohl Hotels als auch Restaurants kennen zu Messezeiten offenbar kein Pardon. Angesichts der überzogenen Preise bei oft mäßiger Qualität (Mini-Einzelzimmer mit Aufbackbrötchen zum Frühstück für 300,- € pro Nacht) können die ausgebeuteten Messegäste oft nur noch mit den Ohren schlackern. Freie Marktwirtschaft funktioniert aber so. Dass auf diese Weise eine ganze Branche fleißig an dem Ast sägt, auf dem sie sitzt, ist eine in vielen Bereichen der Gesellschaft zu beobachtende natürliche Randerscheinung des Kapitalismus.

Das negative Bild Düsseldorfs als Gastgeberstadt vervollständigt schließlich die Rheinbahn, selbst in Nicht-Messezeiten ein ständiges Ärgernis. Ausfälle und Verspätungen sind gefühlt eher die Regel als die Ausnahme. Bei hohem Fahrgastaufkommen geht der öffentliche Personennahverkehr der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt schnell in die Knie. Besucher der Heimspiele von Fußball-Zweitligist Fortuna Düsseldorf in der RheinArena neben dem Messegelände können ein Lied davon singen. Zur ProWein 2024 streikten die Mitarbeiter der Düsseldorfer Verkehrsbetriebe dann auch noch. Das mag ihr gutes Recht sein. Einen positiven Eindruck bei den Messegästen hinterließ Düsseldorf durch diesen Streik zur Unzeit jedoch nicht. In diesem Jahr kam die Rheinbahn besser mit den Besucherströmen zurecht. Kein Wunder, erreichte doch die Gesamtzahl der Messebesucher nicht einmal die Zuschauerzahl bei einem gut besuchten Heimspiel der Fortuna.

Hauptärgernis sind und bleiben die Standgebühren. Hier schlägt die Messe richtig zu. Dies tut insbesondere den vielen kleineren und mittelständischen deutschen Erzeugern, die das Bild der heimischen Weinwirtschaft prägen, gerade in Krisenzeiten weh. Die Messe feiert sich gerne als „Plattform für globales Networking“, verdrängt dabei aber geflissentlich, dass jeder Aussteller am Ende der Messe nach einer Kosten-Nutzen-Analyse entscheidet, ob er im nächsten Jahr wieder nach Düsseldorf kommt. Da kann er networken bis der Arzt kommt. Besuchen immer weniger Importeure aus dem noch zahlungskräftigen Ausland die Messe, geht die Rechnung bei vielen deutschen Winzern nicht mehr auf.

Nach vielen Jahren der Expansion tut sich die Messe schwer, die eigene Konzeption zu hinterfragen, Potenziale für eine Weiterentwicklung zu erkennen oder sich neu zu erfinden. Zwar sendet sie an der einen oder anderen Stelle leise Signale, die andeuten sollen, dass man die Probleme ernst nimmt (Early-Bird-Tickets für Messebesucher und eine Online-Reservierungsplattform, die bei der Hotelzimmersuche helfen soll). Darüber hinaus liefert sie aber keine Argumente für die vielen, durch den schrumpfenden Weinkonsum wirtschaftlich unter Druck geratenen deutschen Familienbetriebe, die zurzeit jeden Euro, den sie investieren, vorher mehrmals herumdrehen müssen. Mit unserer Presseanfrage sah sich die Messe anscheinend so überfordert, dass sie nicht wusste, was sie antworten sollte.

prowein-im-sinkflug.jpgBild: Messe Düsseldorf
Messehalle mit breiten Gängen – wozu?

Lieber klammert sich die ProWein weiter an die protzige Elf-Hallen-Lösung mit breiten Gängen, die in Zeiten der Corona-Pandemie zweifellos sinnvoll waren. Angesichts der sinkenden Nachfrage von Ausstellern und Messebesuchern wäre die Messe allerdings gut beraten, die Zahl der Hallen wieder zu reduzieren, damit die Kosteneffizienz zu steigern und den Ausstellern wieder wettbewerbsfähige Standgebühren anzubieten. Dies wäre kein Eingeständnis der rückläufigen Bedeutung der Messe – die Aussteller- und Besucherzahlen sprechen ohnehin eine eindeutige Sprache –, sondern Ausdruck einer überfälligen Bereitschaft, das Ruder endlich herumreißen zu wollen.