Tal der vielen Keller
Valpolicella mit Potenzial
2. April 2024
Werner Elflein
Bild: weinfreaks.deDas Valpolicella-Gebiet (lat. vallis poli cellae, Tal der vielen Keller) liegt östlich vom Gardasee und nördlich der Stadt Verona in der italienischen Region Venetien. Es gliedert sich geographisch in drei Zonen: Valpolicella Classico, Valpolicella Valpantena und Valpolicella Orientale. Erzeugt werden ausschließlich Rotweine, die oft eher leichtgewichtig ausfallen und jung getrunken werden. Die Spitzengewächse verfügen jedoch über deutlich mehr Potenzial und können anmutig reifen. Dass sie sich auch hervorragend als Speisebegleiter eignen, unterstrich eine Auswahl von Weinen, die das Consorzio tutela dei vini della Valpolicella im Vorfeld der diesjährigen internationalen Weinmesse ProWein anlässlich eines Lunchs im Düsseldorfer Restaurant Rossini präsentierte.
Als Aperitif wurde zunächst der 2019er Valpolicella Ripasso Classico Superiore Campedel der drei Brüder Giovanni, Giuseppe und Martino Aldrighetti gereicht, die 2003 die Azienda Agricola Gamba gründeten. Die Familie bewirtschaftet 15 Hektar terrassierte Weinberge im Valpolicella Classico, die in einer Höhe von 300 Metern über dem Meeresspiegel liegen. Die Trauben für den Ripasso stammen teils aus Doppelpergolen, teils aus Guyot-Anlagen. Ripasso bedeutet Wiederholung oder zweiter Durchgang. Hierzu wird der fertige Rotwein über den Trester eines Amarone gegeben und erlangt durch eine von in den Beerenschalen des Tresters enthaltenen Zucker- und Heferückständen in Gang gesetzte zweite Gärung eine höhere Konzentration. Dennoch ist der Ripasso Campedel trotz üppiger Kirsch- und Pflaumenaromen alles andere als schwerfällig oder überladen. Ein gelungener Auftakt.
Bild: weinfreaks.deDen ersten Gang des Menüs, Thunfischbäcken im gepufferten Kartoffelmantel mit geräucherter Auster und Zitronenengel, begleitete der 2021er Valpolicella Classico von Monte Castelon. Das Weingut der Familie Tommasi hat sich dem biologischen Weinanbau verschrieben und bewirtschaftet Weinberge in einer Höhe zwischen 400 und 530 Metern. Der Valpolicella Classico entstammt einer Anlage in der so genanten Pergola-Veronese-Erziehung: vertikale Pfähle tragen ein leicht schräges Dachgerüst, über das Eisendrähte geführt werden, die den Weinreben als Rankhilfe dienen. Er verfügt trotz guter Konzentration über einen erstaunlich moderaten Alkoholgehalt von nur 12 %.
Es folgten Riso Vialone Nano Veronese in drei Schichten von Parmigiano Regginao mit Valpolicella-Gelee und der 2020er „Campo selce“ Valpolicello Superiore von Contrada Palui. Der aus Südtirol stammende Hans Karl Pichler arbeitet sowohl im Weinberg als auch im Keller biologisch. Seine Weinlagen oberhalb von Verona, die auf 500 bis 540 Metern liegen, sind von Kalk, Basalt und Feuerstein geprägt. Wie der Name des Weins sagt, stammt der „Campo selce“ aus einem Weinberg, der besonders reich an Feuerstein ist. Pichler baut den Wein in Tonneaux aus französischer Eiche mittlerer Toastung und handgefertigten Tonamphoren aus.
Bild: weinfreaks.deFür den nächsten Gang, in Olivenöl gegarter Kabeljau mit fermentiertem schwarzen Knoblauch, Kaviarsauce und Salicornia-Algen, fiel die Wahl des Weines auf den 2021er Valpolicella Superiore von Lavagnoli. Erst 2015 entschieden sich die Lavagnolis, die Trauben aus ihren Weinbergen selbst zu Wein zu verarbeiten. Als Symbol wählte die Familie den Buntspecht, von dem das Dorf Pigozzo („Pigosso“ steht im Veroneser Dialekt für den Specht) seinen Namen hat. Für den Valpolicella Superiore werden nur die reifsten und gesündesten Trauben ausgewählt und vor dem Pressen zehn bis 14 Tage lang leicht getrocknet. Der Ausbau erfolgt über zwölf Monate in drittbelegten französischen Tonneaux. Die Produktion ist auf rund 2400 Flaschen beschränkt.
Bild: weinfreaks.deZur Königlichen Wachtel in drei Gängen, Valpolicella-Ripasso-Reduktionssauce mit Frühlingstrüffeln, Emulsion von Olivenöl und Kerbel, Kartoffelmousse mit Asiago, lief der 2019er „Montegradella“ Valpolicella Classico Superiore von Santa Sofia zur Hochform auf. Das Weingut blickt auf eine Tradition bis ins Jahr 1811 zurück und gehört mit rund 70 Hektar Rebfläche zu den großen Produzenten im Valpolicella. Ein Teil der jährlichen Produktion stammt aus Traubenzukäufen. Der „Montegradella“ wird klassisch in Eichenfässern ausgebaut und verweilt dort circa 18 Monate bis zur Füllung. Trotz seines Körperreichtums mit Aromen von Dörrpflaume und Kirsche kann er eine gewisse Eleganz nicht verleugnen. Seine hochwertigen Tannine sprechen für eine vorteilhafte Reife über mehrere Jahre. Der 2019er nähert sich inzwischen seinem Höhepunkt, sollte aber noch gut weitere fünf Jahre sein hohes Niveau halten.
Bild: weinfreaks.deAls Vordessert durfte sich Asiagokäse in mehreren Reifegraden, unterstützt durch Amarone- und Zwiebelmarmelade, mit einem 2015er Amarone della Valpolicella Classico von Secondo Marco messen. Für einen Amarone werden reife Trauben mindestens 100 Tage lang getrocknet. Dabei verlieren die Trauben zwischen einem Drittel und der Hälfte ihres Gewichts. Entsprechend hoch ist der Alkoholgehalt der ausgebauten Rotweine. Durch die Trocknung der Trauben kann ein Amarone leicht süßlich schmecken. Er ist aber grundsätzlich trocken. Gehörte früher die sonst als Weinfehler gefürchtete flüchtige Säure beim Amarone noch zum guten Ton, so hat sich die Stilistik der Weine in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Durch die Verarbeitung reifer (und nicht mehr überreifer) Trauben sind moderne Amarone-Weine, zu denen auch der von Secondo Marco zählt, nicht mehr rustikal und schwerfällig, sondern zeigen durchaus Komplexität.
Bild: weinfreaks.deÄhnlich wie beim Amarone werden auch beim Recioto die Trauben getrocknet. Die Herstellung entspricht der eines Strohweins. Mindestens 120 Tage lang müssen die Trauben in einer speziellen Trocknungsvorrichtung verweilen. Im Gegensatz zum Amarone handelt es sich beim Recioto um einen Süßwein, der geeignet sein kann, Desserts zu begleiten. So konnte der 2016er Recioto della Valpolicella von Rubinelli Vajol zum Erdnussparfait mit Kakaostreusel und Vanille-Olivenöl voll überzeugen.
Bild: weinfreaks.deDie Rebsorten des Valpolicella
Rotweine aus dem Valpolicella müssen zwingend die Rebsorten Corvina Veronese und Rondinella enthalten. Corvina Veronese muss dabei zu mindestens 45 %, Rondinella zu mindestens 5 % enthalten sein. Der Rondinella-Anteil darf allerdings 30 % nicht überschreiten. Corvina Veronese kann bis zu 50 % durch Corvinone Veronese, von der man früher annahm, sie wäre mit der Corvina Veronese identisch, ersetzt werden. Genanalysen zeigten jedoch, dass beide Rebsorten lediglich entfernt miteinander verwandt sind. Der Anteil der weiteren zugelassenen Rebsorten Sangiovese, Cabernet Franc, Molinara, Negrara, Croatina und Oseleta darf 25 % nicht übersteigen.
Corvina Veronese ist die wichtigste Rebsorte im Valpolicella. Da die Weine aus dieser Sorte unharmonisch schmecken, ist ein Verschnitt zumindest mit Rondinella vorgeschrieben. Rondinella geht auf eine Kreuzung von Corvina Veronese mit einer unbekannten Rebe zurück. Wie auch Corvina Veronese und Rondinella ist Corvinone Veronese spätreifend, jedoch ertragreicher und weniger hochwertig.
Die Weine im Überblick
Contrada Palui
Via Caiò
37141 Verona
Italien
Telefon: +39 349 2139518
Internet: www.contradapalui.com
E‑Mail: hkp@contradapalui.com
2020er Valpolicella Superiore „Campo selce“
Italien
Veneto ↳ Valpolicella • Denominazione di origine controllata (DOC)
13,5 % vol Alkohol
Gamba
Via Gnirega, 19
37020 Marano di Valpolicella
Italien
Telefon: +39 045 6801714
Internet: www.vinigamba.it
E‑Mail: info@vinigamba.it
2019er Valpolicella Ripasso Classico Superiore Campedel
Italien
Veneto ↳ Valpolicella Ripasso Classico • Denominazione di origine controllata (DOC)
13,5 % vol Alkohol
Lavagnoli
Via Squaranto, 29c
37141 Verona
Italien
Telefon: +39 349 2801553
Internet: www.cantinalavagnoli.it
E‑Mail: info@cantinalavagnoli.it
2021er Valpolicella Superiore
Italien
Veneto ↳ Valpolicella • Denominazione di origine controllata (DOC)
14 % vol Alkohol
Monte Castelon
Via Caio Mario, 9
37020 San Rocco
Italien
Telefon: +39 340 3876498
Internet: www.montecastelon.it
E‑Mail: info@montecastelon.it
2021er Valpolicella Classico
Italien
Veneto ↳ Valpolicella Classico • Denominazione di origine controllata (DOC)
12 % vol Alkohol
Rubinelli Vajol
Via Paladon, 31
37029 San Pietro in Cariano
Italien
Telefon: +39 045 6839277
Internet: www.rubinellivajol.it
E‑Mail: info@rubinellivajol.it
2016er Recioto della Valpolicella Classico
Italien
Veneto ↳ Recioto della Valpolicella Classico • Denominazione di origine controllata e garantita (DOCG)
14,5 % vol Alkohol
Santa Sofia
Via Ca' Dedè
37020 San Pietro in Cariano
Italien
Telefon: +39 045 7701074
Internet: www.santasofia.com
E‑Mail: info@santasofia.com
2019er Valpolicella Classico Superiore „Montegradella“
Italien
Veneto ↳ Valpolicella Classico • Denominazione di origine controllata (DOC)
14 % vol Alkohol
Secondo Marco
Via Campolongo, 9
37022 Fumane di Valpolicella
Italien
Telefon: +39 045 6800954
Telefax: +39 045 6800954
Internet: www.secondomarco.it
E‑Mail: info@secondomarco.it
2015er Amarone della Valpolicella Classico
Italien
Veneto ↳ Amarone della Valpolicella Classico • Denominazione di origine controllata e garantita (DOCG)
16 % vol Alkohol
Zeichenerklärung
| 🯅 | Die Bewertung des Weins basiert auf einen einzelnen Verkoster. Der Verkoster wird namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte entweder offen oder blind. Im Falle einer blinden Verkostung ist diese explizit als solche gekennzeichnet. |
| 🯅🯅 | Die Bewertung des Weins basiert auf zwei Verkostern. Die Verkoster werden namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte nach dem Vier-Augen-Prinzip, bei der sich beide Verkoster auf eine gemeinsame Bewertung einigen. |
| 🯅🯅🯅 | Die Bewertung basiert auf einer Verkostung unserer Jury und gibt den von uns aus den Einzelbewertungen der Verkoster errechneten Mittelwert an. Unser Mittelwert basiert auf dem Median. |
| ⚖ | Die Bewertung des Weins erfolgte im Rahmen einer Blindverkostung. Für eine Blindverkostung gelten bei uns strenge Regeln. Die Verkoster erhalten grundsätzlich keinerlei Informationen, die eine Identifizierung der Weine ermöglicht. Weitere Informationen, die über die Themenstellung hinausgehen, sind den Verkostern nur dann zugänglich, wenn sie für das Verständnis der Weine unbedingt erforderlich sind. |
| 🕓 | Für die Verkostung des Weins stand uns – typischerweise während einer offenen Verkostungsveranstaltung, beispielsweise einer Weinmesse – nur wenig Zeit zur Verfügung. Der Wein konnte daher in seiner Entwicklung im Glas nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Die Aussagefähigkeit unserer Bewertung kann daher unter Umständen eingeschränkt sein. |
| ⛬ | Der Wein wurde als Fassmuster oder vor Erteilung einer amtlichen Prüfungsnummer oder staatlichen Prüfnummer verkostet. Muster ungefüllter Weine werden von uns nur in Ausnahmefällen akzeptiert, und auch nur dann, wenn wir von einer ausreichenden Stabilität auf der Flasche für einen Zeitraum von mindestens drei Monaten ausgehen können. |
| ▲ | Der Wein zeigte sich bei unserer Verkostung sensorisch auffällig. Dabei muss es sich nicht zwingend um einen Weinfehler handeln. Qualität und Quantität der Auffälligkeit werden von uns kategorisiert und fließen in die Bewertung ein. Weinfehler wie Korkschmecker oder die untypische Alterungsnote führen grundsätzlich zu einer vollständigen Ablehnung. |
| Verkostungen, die sich auf dieselbe Flasche eines Weins beziehen, werden optisch durch eine Punktelinie zusammengefasst. |