Zwischen Vienne und Valence
Weiß- und Rotweine von der nördlichen Rhône
12. Oktober 2013
Werner Elflein
Bild: PixabayGeologisch und klimatisch unterscheidet sich der nördliche Teil der Côtes du Rhône wesentlich vom südlichen. Zwischen Vienne im Norden und Valence im Süden fließt der Fluss durch ein Tal, das von den Ausläufern des Zentralmassivs im Westen und der Alpen im Osten begrenzt wird.
An den zum Teil sehr steilen, oft auch terrassierten Hängen wird vornehmlich Syrah als einzige in den verschiedenen Appellationen zugelassene Rotweinsorte angebaut. Der Anteil der Weißweine hat in den vergangenen Jahren zugenommen und liegt inzwischen bei fast 20 Prozent. Hauptrebsorte ist hier der Viognier. Daneben erlangen jedoch auch Marsanne Blanche und Roussanne eine gewisse Bedeutung.
Bild: PixabayDie Böden der nördlichen Rhône sind geprägt von vulkanischem Granitgestein aus dem Zentralmassiv, teilweise bedeckt von Schiefer, Gneis, Kalkstein, Löss oder diversen Sedimenten.
Die Syrahs der einzelnen Appellationen sind nur schwer miteinander vergleichbar. Zu komplex ist das Zusammenspiel unterschiedlicher Böden und Kleinklimate, als dass von einem einheitlichen Stil der Weine gesprochen werden könnte. Eines haben die hochwertigen Rotweine der Region jedoch gemeinsam: Sie benötigen zumindest einige Jahre, mitunter auch mehr als ein Jahrzehnt Reife.
Den Weißweinen sagt man hingegen nur ein begrenztes Alterungspotenzial von nicht deutlich mehr als fünf Jahren nach.
Wir haben uns an der nördlichen Rhône umgesehen und neben einer breiteren Auswahl von Syrahs auch vier Weißweine, darunter zwei Viogniers, verkostet.
Im folgenden Überblick stellen wir die acht Appellation des Anbaugebiets ein wenig näher vor.
Côte-Rôtie
Die Weine der Côte-Rôtie waren bereits im Altertum für ihre hohe Qualität bekannt. Die Appellation umfasst die Gemeinden Saint-Cyr-sur-Rhône, Ampuis und Tupin-Semons am orographisch rechten Flussufer. Geologisch wird zwischen der Côte blonde (steile Granitterrassen mit hellen sandigen Kalksteinböden) und der Côte brune (eisenoxidhaltige, dunklere Tonböden) unterschieden. Die Syrahs der Appellation können einen Viognieranteil zwischen zehn und 20 Prozent aufweisen. Die Weine entwickeln sich langsam und erlangen meist erst nach fünf bis zehn Jahren, manchmal aber auch deutlich später, ihre Trinkreife. Zwei der besten drei Syrahs unserer Verkostung kamen von der Côte-Rôtie: Étienne Guigals Château d'Ampuis und Stéphane Ogiers „La Belle Hélène“.
Condrieu
Südlich von der Côte-Rôtie liegt die Appellation Condrieu, die für ihre Weißweine bekannt ist. Einzig zugelassene Rebsorte ist hier der Viognier. Der Anbau erfolgt an steilen Granithängen, die nicht maschinell bearbeitet werden können. Condrieus sind sehr säurearm und verfügen über einen vollen Körper. Aufgrund ihrer dezenten Frucht nach Feldblumen, Veilchen und Ananas eignen sie sich gut als Speisenbegleiter, beispielsweise zu Gänsestopfleber, aber auch zu Schalentieren und Fischgerichten. Condrieus sollten eher jung, innerhalb von fünf Jahren, getrunken werden.
Château-Grillet
Eine Kuriosität ist zweifellos Château-Grillet. Die Enklave der Appellation Condrieu gehört exklusiv dem gleichnamigen Weingut. Der zusammenhänge, steile, terrassierte Weinberg liegt teilweise auf dem Gebiet von Saint-Michel sur Rhône, teilweise gehört er zur Gemeinde Vérin. Er besteht aus verwittertem Granitgestein. Zugelassen ist lediglich Viognier. Die Weine von Château-Grillet erzielen sehr hohe Preise. Die Jahresproduktion umfasst lediglich 10000 Flaschen.
Saint-Joseph
Mit einer Anbaufläche von rund 1000 Hektar ist Saint-Joseph die zweitgrößte Appellation der nördlichen Rhône. Sie erstreckt sich über eine Länge von 50 Kilometern und umfasst 23 Gemeinden im Departement Ardèche und drei im Departement Loire. Die Reben stehen auf schwarzem Glimmer oder, im Zentrum der Appellation, Gneis. Für die Weißweinproduktion sind Marsanne und Roussanne, nicht aber Viognier, zugelassen. Die Syrahs können einen Weißweinanteil von zehn Prozent enthalten. Die Weine erreichen relativ schnell ihren Höhepunkt: die weißen nach zwei, die roten nach fünf Jahren.
Crozes-Hermitage
Crozes-Hermitage verfügt nur über eine junge Weinbautradition. Im Süden der Appellation wurde bis vor kurzem ausschließlich Obst angebaut. Die Anbaufläche für Wein ist in Crozes-Hermitage inzwischen auf über 1200 Hektar gewachsen. Damit ist Crozes-Hermitage die größte Appellation der nördlichen Rhône. Der Weinbau erfolgt überwiegend auf mehr oder weniger kieselhaltigen Schwemmböden, die teilweise Kalklehm und Ton enthalten. Vereinzelt findet man auch Löss, in den Hanglagen sandige Granitverwitterungsböden. Der Syrah darf mit bis zu 15 Prozent Marsanne und Roussanne, den einzigen für die Weißweinerzeugung zugelassenen Rebsorten, versetzt werden.
Hermitage
Neben der Côte-Rôtie bringt die Appellation Hermitage die wohl besten Syrahs der nördlichen Rhône hervor. Die Böden bestehen aus verwitterten Granit, bedeckt mit Glimmerschiefer und Gneis, vereinzelt auch angeschwemmtem Geröll. Wie in der Nachbarappellation Crozes-Hermitage gibt es auch hier Weißweine aus Marsanne und Roussanne, die mit bis zu 15 Prozent dem Syrah beigemengt werden dürfen. Die Weißweine sind erstaunlich lagerfähig und erreichen mitunter fast das Lagerpotenzial der Rotweine, die nicht selten zehn oder gar 20 Jahre Flaschenlager bis zur Trinkreife benötigen.
Cornas
Die Appellation Cornas beschränkt sich auf die gleichnamige Gemeinde. Auf den von Steinmauern gehaltenen Terrassen wächst auf kieselhaltigen, teilweise auch kalkhaltigen Sedimentböden ausschließlich Syrah. Ein Cornas sollte mindestens fünf Jahre, kann jedoch im Einzelfall noch deutlich länger reifen. Die Weinbautradition in Cornas reicht bis ins Mittelalter zurück. Im 19. Jahrhundert genossen die Rotweine eine ähnlich hohe Wertschätzung wie die Gewächse aus Châteauneuf-du-Pape.
Saint-Péray
Im äußersten Süden des Anbaugebiets werden in der nur 62 Hektar großen Appellation Saint-Péray ausschließlich Weißweine aus Marsanne und Roussanne erzeugt. Die Böden bestehen in der Ebene und am Hangfuß aus Schwemmland, in den westlich-nordwestlich ausgerichteten Hanglagen dominieren steiniger Löss und leichte Erdauflagen mit Kalksteinsplitter. Lediglich in den nach Osten und Südosten ausgerichteten Steilhängen tritt Granit mit schwarzem Glimmer in Erscheinung. Neben den Stillweinen, die zumeist jung getrunken werden, bringt die Appellation auch beachtliche Schaumweine hervor.
Die Weine im Überblick
Domaine Les Bruyères
12 Chemin du stade
26600 Beaumont-Monteux
Frankreich
Telefon: +33 4 75847414
Telefax: +33 4 75841406
Internet: www.domainelesbruyeres.fr
E‑Mail: domainelesbruyeres@orange.fr
2011er Crozes-Hermitage „George Reynaud“
Frankreich
Rhône ↳ Crozes-Hermitage • Appellation d'origine protegée (AOP)
13 % vol Alkohol
Jean-Louis Chave
37 Avenue de Saint-Joseph le Village
7300 Mauves
Frankreich
Telefon: +33 4 75082463
2004er Hermitage
Frankreich
Rhône ↳ Hermitage • Appellation d'origine contrôlée (AOC)
14 % vol Alkohol
Yann Chave
1170 Chemin de la Burge
26600 Mercurol
Frankreich
Telefon: +33 4 75074211
Telefax: +33 4 75074734
Internet: www.yannchave.com
E‑Mail: chaveyann@yahoo.fr
2005er Hermitage
Frankreich
Rhône ↳ Hermitage • Appellation d'origine contrôlée (AOC)
13,5 % vol Alkohol
Cave des Clairmonts
755 Route des Vignes
26600 Beaumont-Monteux
Frankreich
Telefon: +33 4 75846191
Telefax: +33 4 75845698
Internet: www.cavedesclairmonts.com
E‑Mail: contact@cavedesclairmonts.com
2007er Crozes-Hermitage „Pionniers“
Frankreich
Rhône ↳ Crozes-Hermitage • Appellation d'origine contrôlée (AOC)
13 % vol Alkohol
Cellier des Dauphins
Route de Nyons
26790 Tulette
Frankreich
Telefon: +33 4 75962000
Telefax: +33 4 75973342
Internet: www.cellier-des-dauphins.com
2011er „Les Dauphins“ Réserve
Frankreich
Côtes du Rhône • Appellation d'origine protegée (AOP)
13,5 % vol Alkohol
Dauvergne & Ranvier
Château Saint Maurice
30290 Laudun
Frankreich
Telefon: +33 4 66829657
Telefax: +33 4 66829658
Internet: www.dauvergne-ranvier.com
E‑Mail: contact@dauvergne-ranvier.com
2010er Crozes-Hermitage „Grand Vin“
Frankreich
Rhône ↳ Crozes-Hermitage • Appellation d'origine protegée (AOP)
13 % vol Alkohol
Domaine Durand – Eric & Joël Durand
Impasse de la Fontaine
7130 Châteaubourg
Frankreich
Telefon: +33 4 75404678
Telefax: +33 4 75402977
E‑Mail: ej.durand@wanadoo.fr
2010er Cornas „Prémices“
Frankreich
Rhône ↳ Cornas • Appellation d'origine protegée (AOP)
14 % vol Alkohol
Guy Farge
18 Chemin de la roue
7300 Saint-Jean-de-Muzols
Frankreich
Telefon: +33 4 75065849
Internet: www.vigneron-guy-farge-rhone.com
E‑Mail: guyfarge@orange.fr
2008er Saint-Joseph „Vania“
Frankreich
Rhône ↳ Saint-Joseph • Appellation d'origine contrôlée (AOC)
13 % vol Alkohol
Étienne Guigal
Château d'Ampuis
69420 Ampuis
Frankreich
Telefon: +33 4 74561022
Telefax: +33 4 74561876
Internet: www.guigal.com
E‑Mail: admin@guigal.com
2009er Côte-Rôtie „Château d'Ampuis“
Frankreich
Rhône ↳ Côte Rôtie • Appellation d'origine protegée (AOP)
13,5 % vol Alkohol
Domaine des Hauts Châssis
995 Chemin des Hauts-Châssis
26600 La Roche-de-Glun
Frankreich
Telefon: +33 4 75845026
E‑Mail: domaine.des.hauts.chassis@wanadoo.fr
2010er Crozes-Hermitage „Les Châssis“
Frankreich
Rhône ↳ Crozes-Hermitage • Appellation d'origine protegée (AOP)
13 % vol Alkohol
Paul Jaboulet Aîné
Route Nationale 7, Les Jalets
26600 Tain l'Hermitage
Frankreich
Telefon: +33 4 75846893
Telefax: +33 4 74845614
Internet: www.jaboulet.com
E‑Mail: contact@jaboulet.com
2010er Crozes-Hermitage „Les Jalets“
Frankreich
Rhône ↳ Crozes-Hermitage • Appellation d'origine protegée (AOP)
13 % vol Alkohol
2010er Crozes-Hermitage „Domaine de Thalabert“
Frankreich
Rhône ↳ Crozes-Hermitage • Appellation d'origine protegée (AOP)
13,5 % vol Alkohol
2010er Crozes-Hermitage „Les Jalets“
Frankreich
Rhône ↳ Crozes-Hermitage • Appellation d'origine protegée (AOP)
13 % vol Alkohol
Gabriel Meffre
Domaine de Longue Toque
84190 Gigondas
Frankreich
Telefon: +33 4 90123021
Telefax: +33 4 90123028
Internet: www.gabriel-meffre.fr
E‑Mail: caveaugabrielmeffre@meffre.com
2010er Crozes-Hermitage „Laurus“
Frankreich
Rhône ↳ Crozes-Hermitage • Appellation d'origine protegée (AOP)
12,5 % vol Alkohol
Stéphane Ogier
3 Chemin du Bac
69420 Ampuis
Frankreich
Telefon: +33 4 74561075
Telefax: +33 4 74560175
Internet: www.stephaneogier.fr
E‑Mail: contact@domaine-ogier.fr
2007er Côte-Rôtie „La Belle Hélène“
Frankreich
Rhône ↳ Côte Rôtie • Appellation d'origine contrôlée (AOC)
13 % vol Alkohol • abgefüllt unter dem Namen Michel & Stéphane Ogier
Christophe Pichon
36 Le Grand Val
42410 Chavanay
Frankreich
Telefon: +33 4 74870678
Telefax: +33 4 74870727
Internet: www.domaine-pichon.fr
E‑Mail: chrpichon@wanadoo.fr
2010er Côte-Rôtie Rozier
Frankreich
Rhône ↳ Côte Rôtie • Appellation d'origine protegée (AOP)
13 % vol Alkohol
Domaine du Tunnel – Stéphane Robert
20 Rue de la République
7130 Saint-Péray
Frankreich
Telefon: +33 4 75800466
Telefax: +33 4 75800650
E‑Mail: domaine-du-tunnel@wanadoo.fr
2011er Saint-Péray Roussanne
Frankreich
Rhône ↳ Saint-Péray • Appellation d'origine protegée (AOP)
13,5 % vol Alkohol
2009er Cornas
Frankreich
Rhône ↳ Cornas • Appellation d'origine protegée (AOP)
13,5 % vol Alkohol
Vidal-Fleury
48 Route de Lyon
69420 Tupin et Semons
Frankreich
Telefon: +33 4 74561018
Telefax: +33 4 74561919
Internet: www.vidal-fleury.com
2009er Crozes-Hermitage
Frankreich
Rhône ↳ Crozes-Hermitage • Appellation d'origine protegée (AOP)
13 % vol Alkohol
2007er Saint-Joseph
Frankreich
Rhône ↳ Saint-Joseph • Appellation d'origine contrôlée (AOC)
13 % vol Alkohol
François Villard
330 Route du Réseau Ange
42410 Saint-Michel-sur-Rhône
Frankreich
Telefon: +33 4 74568360
Internet: www.domainevillard.com
2010er Saint-Joseph „Mairlant“
Frankreich
Rhône ↳ Saint-Joseph • Appellation d'origine protegée (AOP)
13 % vol Alkohol
Le Vins de Vienne
1 Zone d'Activité de Jassoux
42410 Chavanay
Frankreich
Telefon: +33 4 74850452
Telefax: +33 4 74319755
Internet: www.vinsdevienne.com
E‑Mail: contact@vinsdevienne.com
2011er Saint-Joseph
Frankreich
Rhône ↳ Saint-Joseph • Appellation d'origine protegée (AOP)
13 % vol Alkohol
2010er Condrieu „La Chambée“
Frankreich
Rhône ↳ Condrieu • Appellation d'origine protegée (AOP)
14 % vol Alkohol
Zeichenerklärung
| 🯅 | Die Bewertung des Weins basiert auf einen einzelnen Verkoster. Der Verkoster wird namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte entweder offen oder blind. Im Falle einer blinden Verkostung ist diese explizit als solche gekennzeichnet. |
| 🯅🯅 | Die Bewertung des Weins basiert auf zwei Verkostern. Die Verkoster werden namentlich im Kontext der Bewertung genannt. Die Verkostung erfolgte nach dem Vier-Augen-Prinzip, bei der sich beide Verkoster auf eine gemeinsame Bewertung einigen. |
| 🯅🯅🯅 | Die Bewertung basiert auf einer Verkostung unserer Jury und gibt den von uns aus den Einzelbewertungen der Verkoster errechneten Mittelwert an. Unser Mittelwert basiert auf dem Median. |
| ⚖ | Die Bewertung des Weins erfolgte im Rahmen einer Blindverkostung. Für eine Blindverkostung gelten bei uns strenge Regeln. Die Verkoster erhalten grundsätzlich keinerlei Informationen, die eine Identifizierung der Weine ermöglicht. Weitere Informationen, die über die Themenstellung hinausgehen, sind den Verkostern nur dann zugänglich, wenn sie für das Verständnis der Weine unbedingt erforderlich sind. |
| 🕓 | Für die Verkostung des Weins stand uns – typischerweise während einer offenen Verkostungsveranstaltung, beispielsweise einer Weinmesse – nur wenig Zeit zur Verfügung. Der Wein konnte daher in seiner Entwicklung im Glas nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Die Aussagefähigkeit unserer Bewertung kann daher unter Umständen eingeschränkt sein. |
| ⛬ | Der Wein wurde als Fassmuster oder vor Erteilung einer amtlichen Prüfungsnummer oder staatlichen Prüfnummer verkostet. Muster ungefüllter Weine werden von uns nur in Ausnahmefällen akzeptiert, und auch nur dann, wenn wir von einer ausreichenden Stabilität auf der Flasche für einen Zeitraum von mindestens drei Monaten ausgehen können. |
| ▲ | Der Wein zeigte sich bei unserer Verkostung sensorisch auffällig. Dabei muss es sich nicht zwingend um einen Weinfehler handeln. Qualität und Quantität der Auffälligkeit werden von uns kategorisiert und fließen in die Bewertung ein. Weinfehler wie Korkschmecker oder die untypische Alterungsnote führen grundsätzlich zu einer vollständigen Ablehnung. |
| Verkostungen, die sich auf dieselbe Flasche eines Weins beziehen, werden optisch durch eine Punktelinie zusammengefasst. |
