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Objektiv vs. subjektiv

Unser Standpunkt

objektiv-vs.-subjektiv.jpgBild: Pixabay
weinfreaks.de: So objektiv wie möglich, so subjektiv wie nötig

Ist ein Wein gut, wenn er dir schmeckt, und schlecht, wenn er dir nicht schmeckt? Oder lässt sich Weinqualität unabhängig vom persönlichen Geschmack beurteilen?

Jeder Mensch hat eigene Vorstellungen davon, was einen guten Wein auszeichnet. Diese persönlichen Vorlieben spielen bei der Beurteilung eine Rolle. Sie sind jedoch nicht dasselbe wie Weinqualität. Auch Herkunft, Herstellung, Beschaffenheit und Reifeentwicklung eines Weines können seine Qualität bestimmen. Solche Eigenschaften lassen sich zumindest teilweise unabhängig vom persönlichen Geschmack beurteilen.

Die Schwierigkeit beginnt dort, wo diese verschiedenen Ebenen miteinander verquickt werden. Wer einen Wein nicht mag, muss ihn deshalb nicht für einen schlechten Wein halten. Und umgekehrt wird ein Wein nicht allein dadurch gut, dass er dem Verkoster persönlich gefällt.

Was ist Qualität?

Für eine nachvollziehbare Weinkritik brauchen wir Kriterien, die über den persönlichen Geschmack hinausgehen. Qualität kann deshalb nicht einfach bedeuten, dass ein Wein individuelle Erwartungen oder Vorlieben erfüllt. Sie muss sich an Eigenschaften orientieren, die sich beschreiben, vergleichen und fachlich beurteilen lassen. Dazu gehören unter anderem die Intensität und Qualität der Aromen, Komplexität, Ausgewogenheit, Struktur, Länge und die Entwicklung eines Weines. Auch Herkunft, Jahrgang, Stilistik und handwerkliche Ausführung können für die Beurteilung eine Rolle spielen.

Dabei gibt es nicht für jeden Wein ein einziges ideales Maß. Ein großer säurebetonter Riesling muss andere Erwartungen erfüllen als ein gereifter Bordeaux oder ein natürlicher Wein mit bewusst reduktiver Stilistik. Objektivität bedeutet deshalb nicht, jeden Wein nach demselben starren Schema zu beurteilen. Sie bedeutet, die jeweiligen Eigenschaften eines Weines anhand nachvollziehbarer Kriterien zu bewerten und persönliche Vorlieben nicht mit Qualitätsmerkmalen zu verwechseln.

Ein Quantum Subjektivität

Trotzdem bleibt Weinverkostung immer auch eine Frage der Wahrnehmung. Nicht jeder Mensch nimmt Gerüche und Geschmäcker gleich intensiv wahr. Besonders bei Bitternis, Säure oder bestimmten Aromaeindrücken können die Unterschiede zwischen Verkostern erheblich sein. Auch Erfahrung, kulturelle Prägung und persönliche Gewöhnung beeinflussen, wie ein Wein wahrgenommen und eingeordnet wird.

Deshalb werden selbst fachkundige Verkoster denselben Wein nicht zwangsläufig identisch beurteilen. In einer Jury entsteht eine gewisse Bandbreite von Bewertungen. Diese Unterschiede sind nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass jemand falsch liegt. Sie können vielmehr zeigen, wo die Wahrnehmung eines Weines Spielräume zulässt.

Auch die fachliche Erfahrung spielt eine Rolle. Ein erfahrener Verkoster kann bestimmte Eigenschaften differenzierter erkennen und einordnen als jemand, der weniger Erfahrung besitzt. Objektivität entsteht deshalb nicht allein dadurch, dass mehrere Menschen denselben Wein verkosten. Entscheidend ist auch, wie qualifiziert und unabhängig diese Beurteilungen zustande kommen.

So objektiv wie möglich …

Ein handwerkliches Kulturgut wie Wein lässt sich nicht exakt vermessen, sondern eröffnet prinzipiell Interpretationsspielräume. Auch wenn sich einzelne Eigenschaften analysieren und messen lassen, lässt sich seine gesamte Qualität nicht auf einen objektiven Zahlwert reduzieren.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass jede Bewertung oder jede Meinung über einen Wein grundsätzlich subjektiv ist. Der Hinweis auf den persönlichen Geschmack kann eine fachliche Beurteilung nicht ersetzen.

Wer einen Wein beurteilt, sollte deshalb zunächst versuchen, seine persönlichen Vorlieben von der eigentlichen Qualitätsbewertung zu trennen. Ein Wein kann hervorragend gemacht, komplex und ausgewogen sein und trotzdem nicht dem eigenen Geschmack entsprechen. Ebenso kann ein Wein den persönlichen Geschmack treffen, ohne deshalb handwerklich oder qualitativ herausragend zu sein. Bei weinfreaks.de versuchen wir deshalb, persönliche Präferenzen so weit wie möglich aus der Qualitätsbewertung herauszuhalten. Unser Anspruch lautet daher: So objektiv wie möglich, so subjektiv wie nötig.